Zum einzigen Weinanbaugebiet von NRW

Ein schöner Spaziergang, ideal für Langschläfer

Es war ein Urlaubstag, den ich dazu benötigte einen lieben Menschen zum Köln-Bonner Flughafen zu begleiten. Am späten Vormittag ging es los. Gegen 13:30 Uhr hatten wir den 'check in' erledigt und den Parkscheinautomat mit 5 Euro für 15 Minuten gefüttert. Nun stellte ich mir, nach der Verabschiedung die Frage, was ich im November mit dem restlichen Tag und dem kurzen Tageslicht noch würde anfangen können. Da kam mir spontan Oberdollendorf in den Sinn mit seinem schönen Weinwanderweg, dem Rheinsteig und einer tollen Einkehr im Weingut Sülz. Es wurde ein ausgesprochen schöner Ausflug für einen Tag im Herbst, ideal für Langschläfer.


Durch die Weinberge bei Oberdollendorf im Siebengebirge
Durch die Weinberge bei Oberdollendorf im Siebengebirge

Anfahrt

Die Zieladresse für die Navigation lautet: Bachstr. 157 53639 Königswinter 

 

Die Anfahrt von der Kölner Domplatte bis zum Weingut Sülz in der Bachstraße beträgt 38 Kilometer und dauert ohne Stau 31 Minuten.

Ab Flughafen Köln-Bonn sind es nur 28,80 Kilometer über die A 59 und es dauerte 30 Minuten. 

 

Kostenlose Parkplätze sind in Oberdollendorf zu finden, am Wochenende ist es schon mal sehr voll im Weingut, da es den Status als "Geheimtip" leider in den letzten Jahren eingebüßt hat. Ein Besuch ist gleichwohl sehr lohnenswert.

 

Einen P & R Parkplatz findet Ihr in Oberdollendorf Nord, auf der Oberkasseler Str. 36.


Extra-Tip:

Highlights

Hier kommen die Highlights im Kurzüberblick, die für einen heiteren und kurzweiligen Tagesverlauf sorgen werden:

  • Weinwanderweg Oberdollendorf
  • Rheinsteig, Premiumwanderweg für diejenigen unter Euch, die mehr wandern wollen: Etappe Nr.1 vom Bonner Marktplatz bis nach Niederdollendorf, mittelschwere Wanderung 13,4 Kilometer Länge 4 Stunden.
  • Weingut Sülz, Essen und Trinken sowie Weinprobe nach Voranmeldung in einer der schönsten Weinbars im deutschsprachigen Raum (Nominierung Falstaff 2017/2018)
  • Klosterruine Heisterbach romantischer Zielort der heutigen Kurzwanderung von knapp 6 Kilometern
  • Naturpark Siebengebirge, einmalig schöne Natur und unzählige Tourmöglichkeiten

Nützliche Weblinks

Hier kommen einige Weblinks, die Euch bei der Planung Eures Kurztrips gute Dienste leisten werden:

  • Wohnmobilstellplatz Siebengebirgsblick, in einem ruhigen Industriegebiet gelegen kann man hier preiswert und unproblematisch übernachten.
  • Wohnmobilstellplatz am Sportplatz in Oberdollendorf, für 15 Mobile, kostenlos, aber einige klare Nachteile: an einer Hauptstraße gelegen, mit Glascontainern und Eisenbahnverkehr. Meine Devise: die ersparten Übernachtungskosten in die Weinprobe investiert am Morgen weiterfahren und irgendwo gemütlich Frühstücken mit Rheinblick?!
  • Camping im Siebengebirge, idealer Platz für einen längeren Aufenthalt im Siebengebirge, inklusive 5 Wohnmobilstellplätze
  • Meine High End Variante für heute ist das Boutique Hotel in einer doppelten Jugendstilvilla in Bonn Bad Godesdorf, auf der gegenüber liegenden Rheinseite. Zum Verführen schön: Hier die Homepage  Wer mag hier nicht einmal seine Liebste/seinen Liebsten hierhin entführen? Das hat jedenfalls Stil und ist romantisch.


Schöner Blick auf Oberdollendorf vom Weinberg aus gesehen- in der Ferne erkennbar: der Drachenfels
Schöner Blick auf Oberdollendorf vom Weinberg aus gesehen- in der Ferne erkennbar: der Drachenfels

Charakteristik der kleinen Rundtour

Wir steuern heute Oberdollendorf als Ausgangspunkt unseres Spaziergangs an, aus zweierlei Gründen. Der erste ist, dass es in diesem kleinen Fachwerkstädtchen eine Location gibt, die zu den besten Weinbars in Deutschland nominiert wurde (Falstaff 2017/2018), zum anderen weil hier genau der Startpunkt ist für meine Rundtour durch Nordrhein Westfalens einziges Weinanbaugebiet!

 

Auf den folgenden knapp sechs Kilometern Rundkurs gibt es schöne Aussichten, Weinberge, Waldwege, einige Pfade, malerische Ruinen, spannende Geschichten von und in einem Klosterhof, und vieles mehr-doch dazu später!

Die Tour ist für naturverbundene Kinder absolut kindgerecht und überfordert sie nicht. So kann man von einem schönen Familienausflug inklusive mehrerer Einkehrmöglichkeiten sprechen.

 

Die Anzahl der Parkplätze am Weingut ist äußerst begrenzt (KEIN Wanderparkplatz). Da muss man ein bisschen kreativ sein. Wir nehmen den hinter dem Weingut bergauf führenden, geteerten Weg hinauf in den Weinberg und finden schon nach wenigen Schritten die ersten Hinweistafeln auf Rundkurse und den Weinwanderweg. Erstes Etappenziel ist der Aussichtspunkt "Hülle" am obersten Rand des Weinberges, von wo wir die ersten fantastischen Fernsichten über den Rhein nach Bonn zum langen Eugen und zum Posttower genießen. Der Rhein als wichtigster Strom in NRW ist Lebensader, Transportweg und  Schiffahrtsstraße zugleich und prägt als solcher seit Jahrhunderten die Region. Im Süden erkennen wir den  Drachenfels und einige Berge des Siebengebirges.

 

Still ist es hier oben, besonders im (Spät-)Herbst, wenn die Schönwetter-Ausflügler ausbleiben und man den Ausblick oft für sich alleine hat. Dann glitzert wahlweise die Sonne im Rhein, weil sie im Winterhalbjahr besonders tief steht, oder der Fluss verschwindet unter einer Nebelbank, während wir über sie hinweg schauen können. Beides hat seinen Reiz, in der Abendsonne ganz besonders.


Picknickbänke mit schönen Aussichten am Aussichtspunkt "Hülle" oberhalb des Weinberges
Picknickbänke mit schönen Aussichten am Aussichtspunkt "Hülle" oberhalb des Weinberges

Wurzelwerk stattlicher Buchen auf dem Wegabschnitt des Rheinsteiges in Richtung Kloster Heisterbach
Wurzelwerk stattlicher Buchen auf dem Wegabschnitt des Rheinsteiges in Richtung Kloster Heisterbach

Steinkreis und Feuerstelle  auf dem Aussichtspunkt "Hülle" - dort befindet sich auch ein Unterstand/Holzhaus
Steinkreis und Feuerstelle auf dem Aussichtspunkt "Hülle" - dort befindet sich auch ein Unterstand/Holzhaus

Überall im Siebengebirge zu finden - ausgezeichnete Wanderwege mit Distanzangaben
Überall im Siebengebirge zu finden - ausgezeichnete Wanderwege mit Distanzangaben

Wer im Sommer kommt, wird es lieben, hier oben auf diesem schönen Aussichtspunkt ein Picknick zu machen, Holzhaus/Unterstand inklusive. Wir machen uns nach einigen Fotos jedoch auf den Weg und folgen nun dem Rheinsteig "2 R 4" in Richtung Heisterbach. Das sind von hier gut zwei Kilometer und in etwa einer halben Stunden ist der Weg gut zu schaffen.

 

Dort wartet das Highlight der heutigen Wanderung auf uns, die Chorruine des einstmals einflussreichen Klosters von Heisterbach.

Die Chorruine des Klosters zählt neben dem Drachenfels in Königswinter und der Ruine der Löwenburg zu den meist besuchten Zielen im Siebengebirge. Hier hat sich dank tatkräftiger finanzieller Unterstützung der Europäischen Union und des Landes NRW einiges getan. So sind in dem archäologisch bedeutendem Gelände Grabungen erfolgt, das Gelände komplett neu gestaltet worden und eine Klosterstube ins Leben gerufen worden, in der wir uns heute aufwärmen können, bzw im Sommer eine Erfrischung genießen. 

 

Die Klosterkirche wurde bereits im Jahre 1237 geweiht und hatte für die damalige Zeit wahrhaft himmlische Ausmaße: Mit 44 Metern Breite und 88 Metern Länge zählte sie zu den größten Kirchen im Rheinland  und wurde  in der Größe nur vom Kölner Dom übertroffen, der bekannter Maßen die größte gotische Kathedrale der Welt ist. Das Kloster wurde am Übergang von der Romanik zur Gotik erbaut, stand fast 600 Jahre und wäre heute, falls noch existent, ein Sakralbau, der unzweifelhaft zum Weltkulturerbe zählen würde. Aber die Säkularisation  im beginnenden 19. Jahrhundert hatte ein völlig anderes Schicksal für den Kirchenkomplex geplant: das Gotteshaus wurde nach dem Auszug der Mönche mit Sprengsätzen versehen und gesprengt. Einzig der Sprengsatz im westlichen Chor zündete nicht, wodurch wir heute diese romantische Ruine besichtigen können.

 

Sie ist dadurch auch zum Symbol des romantischen Rheins geworden, gleichzusetzen mit der Ruine des Klosters Oybin im Zittauer Gebirge, welches von dem Maler Caspar David Friedrich als Hauptvertreter der deutschen Romantik so wundervoll gemalt wurde. Ein weiteres Beispiel dieses Künstlers ist auch die Klosterruine von Eldena in Greifswald, die mir in diesem Zusammenhang ebenfalls in den Sinn kommt. 


Klosterruine Heisterbach- ein romantischer Ort für ein "Ja"-Wort unter freiem Himmel
Klosterruine Heisterbach- ein romantischer Ort für ein "Ja"-Wort unter freiem Himmel

Meine romantisch-historische Aufnahme der Klosterruine vom November 2018
Meine romantisch-historische Aufnahme der Klosterruine vom November 2018

Es kommt ja nicht von ungefähr, wenn die erste Etappe des Rheinsteigs in der ehemaligen Bundeshauptstadt der BRD, auf dem Marktplatz von Bonn beginnt, um genau hier vorbei zu führen. Das bringt die Langschläfer unter uns zu dem Genuss der Höhepunkte dieser Tour, ohne dafür gleich vier Stunden wandern zu müssen.

 

In der heutigen Zeit gibt es in der Klosterlandschaft Heisterbach, insbesondere innerhalb der alten Klostermauern einiges wissenswertes zur Geschichte dieses besonderen Ortes zu erfahren. Dazu sind in der Klosterstube Audioguides gegen Kaution erhältlich, mittels derer man sich durch den Klostergarten im Stile eines englischen Landschaftsparkes führen lassen kann.

 

Dabei erfahren wir beispielsweise,  dass der Zisterzienserorden im Jahre 1089 als Reformbewegung im benediktinischem Mönchtum gegründet wurde. Weitab von besiedelten Gebieten sollten die Mönche nach der Maxime "ora et labora", "Bete und arbeite",  Klöster gründen. Als  bedeutendster Vertreter und geistiger Vater dieses Ordens  wird Bernhard von Clairvaux (* 1090 in Dijon, gestorben am 20. August 1153 in Clairvaux) genannt. Durch sein Bestreben breiteten sich in den folgendenen Jahrhunderten die Zisterzienser in ganz Europa aus und gründeten Klöster, in NRW beispielsweise geht der Altenberger Dom auf eine Klostergründung der Zisterzienser zurück. Das bis heute besterhaltene, unzerstörte mittelalterliche Kloster nördlich der Alpen  steht in Maulbronn (Baden-Württemberg) und ist UNESCO Weltkulturerbe.

 

Die Mönche prägten die Region um Heisterbach über 600 Jahre lang. In diesem Zusammenhang muss der wichtigste Mönch dieses Klosters noch genannt werden: Caesarius von Heisterbach(1180-1240) Er war Prior und Novizenmeister und hinterließ als Schriftsteller bedeutende Zeugnisse des mittelalterlichen Lebens: Sein Werk "Dialogus miraculorum" und die Biografien der heiligen Elisabeth von Thüringen und des heiligen Engelbert von Köln (siehe auch Tour 43 hier im Blog) 


Blick in die Apsis des verbliebenen Chors
Blick in die Apsis des verbliebenen Chors

Die Wegekennzeichnung "2 R 4" bezeichnet den Themenwanderweg "Mühlen, Wald und Wein" der uns durch die Klosterlandschaft wieder zurück nach Oberdollendorf geleitet. Die Wegstrecke ist ca. 2-3 Kilometer maximal und führt uns entlang von Feldern und Wiesen durch den Wald  zu den  Ruinen der hundertjährigen Mühle, die im 17 Jahrhundert die wichtigste Getreidemühle des Klosters war und bereits 1809 als verfallen beschrieben wurde. 

 

Im weiteren Verlauf führt uns der Wegweiser durch den Wald entlang des Mühlenbachs zurück zum Weingut Sülz, wo wir die Eindrücke des heutigen Tages mit einer geselligen Weinprobe auf uns wirken lassen. Hier im nördlichen Teil des Siebengebirges in Oberdollendorf, Niederdollendorf und an den Hängen des Drachenfelses wird bereits nachweislich seit 1000 Jahren Wein angebaut. 

 

Dennoch findet das kleine, aber feine Anbaugebiet in der einschlägigen Weinfachliteratur keine Erwähnung (z.B. Gault Millau,  Weinenzyklopädie von Larousse, "Der große Johnson Die Enzyklopädie der Weine, Weinbaugebiete und Weinerzeuger der Welt" von Hugh Johnson). Die vergleichsweise geringen Erträge werden höchstwahrscheinlich mehrheitlich vor Ort ausgeschenkt und getrunken. 

 

Insofern ist ein Besuch eines Weingutes im einzigen Weinanbaugebiet Nordrhein Westfalens wohl ein außergewöhnliches Erlebnis und zugleich ein Pflichtbesuch. Wein, Siebengebirge und Rhein gehören einfach zusammen und sind als solches schon immer ein wichtiger Bestandteil der besagten Rheinromantik, die Touristen aus aller Welt in das Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal zieht. 

Hier kann man auch so manch romantischen Weihnachtsmarkt für sich entdecken, Schlösser und Burgen erkunden und vielleicht ein schönes Geschenk mit nach Hause nehmen, denn diese Weinerzeugnisse finden sich garantiert nicht im heimischen Supermarkt, oder Fachhandel. Na, wäre das was? Ich denke schon.


Im Weinberg mit Blick auf den Aussichtspunkt Hülle
Im Weinberg mit Blick auf den Aussichtspunkt Hülle

fazit dieses schönen Ausfluges:

Mein bereits vierter Tourenvorschlag in diese Region hält wieder einmal ein spannendes Gesamtpaket für den Tag bereit. Dabei kommen weder die Geschichte noch die kulinarischen Genüsse zu kurz. Wer sich die Landschaft und die Umgebung näher anschauen möchte findet weiterführende Informationen dazu bereits in verschiedenen Touren dieses Blogs beschrieben (Bolglinks siehe oben unter Anreise).

Eine Kurzwanderung ist genau das richtige Programm für Sonntagnachmittage und auch die Kinder dürften das Erkunden der Ruinen im Wald und im Kloster als spannend empfinden. So kann es ein Ausflug mit dem Partner oder der ganzen Familie werden, bei dem für jeden etwas dabei ist. Wer mit diesem Tourvorschlag das Siebengebirge erstmals bereist, dem verspreche ich weitere erlebnisreiche Touren in diese Region, denn es handelt sich um den ältesten Naturpark von NRW. Da kommt noch etwas nach, versprochen!

Bis dahin bedanke ich mich für Euer Interesse und eure Unterstützung und grüße herzlich, Euer Matthias!


Hier noch einige Eindrücke von meiner Tour:


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