Mittelalter pur- die Burgenroute in der Nordeifel

Burg Blankenheim - ein einmaliges Erlebnis!

Es war ein wunderbarer Auftakt für einen sprichwörtlich goldenen Oktober. Der vom  ADAC initiierte Tag des barrierefreien Reisens im Hotel Franz in Essen am 11.09.2018 mündete in meiner neuen  Kooperation mit dem Deutschen Jugendherbergsverband (DJH). So bin ich heute voller Stolz in der Lage, Euch eine Tour mit Erlebnissen quasi "live" von einer Ritterburg, die heute Jugendherberge ist, zu berichten. Es wurde eine sehr persönliche Zeitreise in doppelter Hinsicht: zu den Burgen des Mittelalters und zu den Erinnerungen an meine Jugendzeit .


Mein persönliches Retro-Foto- Blankenheim 2018, Blick hinauf zur Burg
Mein persönliches Retro-Foto- Blankenheim 2018, Blick hinauf zur Burg

Anfahrt

Die Zieladresse zu unserem heutigen Standort lautet wahlweise:

  • Burg Blankenheim, Burg 1, 53945 Blankenheim
  • Wohnmobilstellplatz Weiherhalle, Koblenzer Str. 1 in 53945 Blankenheim

Die Anfahrt von der Kölner Domplatte zum Zielort beträgt 81 Kilometer und dauert ca. 1:00 Stunde.


Diese Blog-Tour wird in Kombination mit den nun folgenden, bereits hier im Blog  beschriebenen Touren zu einem einmaligen Erlebnis verknüpft:


Von Burg Blankenheim bis zum Bahnhof Blankenheim Wald fahren wir mit dem Auto. Die Distanz beträgt 6,02 Kilometer und dauert 9 Minuten.


Die Rückkehr zum Ausgangspunkt erfolgt mit der Buslinie 829 ab Hellenthal Busbf in Richtung Kall. Wir steigen aus in Kall Bahnhof und nehmen den Regionalexpress (RE 22) in Richtung Gerolstein ab Gleis 1 der uns zum Blankenheimer Bahnhof bringt.

Highlights

Hier kommen die Highlights der folgenden Tour im Kurzüberblick, die für einen einmaligen Tag und besondere Erlebnisse sorgen können und werden:

  • Burg Blankenheim, eine über 900 Jahre alte Burg, die heute Jugendherberge ist
  • Blankenheim mit seinem mittelalterlichen Dorfkern, geprägt von Fachwerk; Quellort der AHR
  • Die Burgenroute, einmalig schöne Streckenwanderung von 17 Kilometer Länge, meine heutige Tagestour durch die Geschichte 
  • Burg Wildenburg mit Einkehr in der Burgschänke (Mittagessen)
  • Burg Reifferscheidt, kleiner Besichtigungs- und Zwischenstop bei Kaffee und Kuchen im Café Eulenspiegel
  • Der Eifelsteig, einige Etappen enden und beginnen genau hier: in Blankenheim
  • Der Ahrsteig, eine Streckenwanderung die an der Quelle der AHR beginnt
  • Der Tiergartentunnelwanderweg, eine Ganztagesrundwanderung von 20 Kilometern Länge, eine architektonisch-historische Wanderung
  • Die Römervilla, das wohl bedeutendste archäologische Bodendenkmal des Ortes
  • Das Eifelmuseum mit  der Touristeninformation in der Ortsmitte und im Gildehaus gegenüber, sehenswert!

Nützliche Weblinks

Die hier folgenden Weblinks sollen Euch bei der Planung Eurer Tour nach Blankenheim nützliche Dienste erweisen und Zeit ersparen:

  • Die Jugendherberge in der Burg Blankenheim, mein heutiger TOP-TIP, mehr dazu im folgenden Text
  • Der Eifelsteig, hier der weblink zu den betreffenden Etappen 6 und Etappe 7
  • Der Ahrsteig beginnt in der Ortsmitte, Informationen zu dem Streckenabschnitt Etappe 1
  • Der Wohnmobilstellplatz an der Weiherhalle in Blankenheim
  • Der Ahrradweg, unbedingt empfehlenswerte Radtour entlang der Ahr bis zur Mündung in den Rhein bei Sinzig, vorbei an Burgen , Viadukten, Weinbergen und Strausswirtschaften
  • Aktuelle Übernachtungstips, recherchiert und für gut befunden, wie immer ohne Gewähr meinerseits: bei airbnb, Übernachten im Baudenkmal in Blankenheim.


Jugendherberge Blankenheim in der Burg, Zielort meiner ersten Story für den DJH und meine persönlichste Zeitreise
Jugendherberge Blankenheim in der Burg, Zielort meiner ersten Story für den DJH und meine persönlichste Zeitreise

Prolog

Es ist in der Tat so, dass es viele hervorragende Arten und Weisen gibt einen Urlaub oder Kurztrip zu planen. Dabei stehen uns, je nach eigenen Vorlieben eine Vielzahl von  Gastgebern und Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung. Insbesondere unser Bundesland NRW läßt da gar keine Wünsche offen. Schauen wir doch einmal  genauer hin. Mir fallen da beispielsweise die folgenden Möglichkeiten ein:

  1. Hotels aller Preis- und Sternekategorien
  2. Ferienwohnungen von privat, kommerziell oder online über www.airbnb.de.
  3. Über 500 (!) Jugendherbergen in Deutschland
  4. Naturfreundehäuser
  5. Campingplätze, ideal zum Zelten, manche ausgestattet mit Mietwohnwagen und "chalets" oder Holzfässern.
  6. Mehrere tausend Wohnmobilstellplätze, für Individualtouristen, die wie ich, gerne spontan mit dem eigenen Schneckenhaus verreisen und nicht zu vergessen, das
  7. Landvergnügen, mein liebster Stellplatz- und Genußreiseführer für Deutschland, dessen Botschafter ich seit zwei Jahren bin.

Warum schreibe ich an dieser Stelle darüber?  Nun, die Antwort ist eigentlich ganz einfach: weil wir höchstwahrscheinlich alle (Ihr liebe Leser und ich auch) eine Erfahrung in unserem Leben wohl gemeinsam teilen: eine Klassenfahrt mit Übernachtung in einer Jugendherberge. Und darum geht es mir heute. Ich möchte Euch von meiner neuesten Erfahrung aus einer Jugendherberge berichten und habe mir dazu direkt eine der schönsten im Rheinland ausgesucht: die Burg Blankenheim .


Morgendlicher Ausblick auf die Altstadt von Blankenheim von der privaten Terrasse unseres Ferienappartements auf Burg Blankenheim
Morgendlicher Ausblick auf die Altstadt von Blankenheim von der privaten Terrasse unseres Ferienappartements auf Burg Blankenheim

Gemeinschaft erleben

Die über 900 Jahre alte Ritterburg Blankenheim zieht mit ihrem märchenhaften Ambiente und der wehrhaften Kulisse große und kleine Besucher in ihren Bann. 

 

Hoch über dem mittelalterlichen, von Holzfachwerk geprägten und vielfach liebevoll sanierten Ortskern thront sie auf einem zur Stadt hin steil abfallenden Felsen und ist das weithin sichtbare Wahrzeichen Blankenheims.

 

Ohne Frage ist dies ein Ort um Kinderphantasien zu beflügeln. Genau wie wir Erwachsene an solchen Tagen in einer solchen Begegnungsstätte wieder Kinder sein dürfen, holen uns doch die Erinnerungen unserer Jugendtage und Klassenfahrten hier wieder ein. Das waren Tage von gelebter Gemeinschaft, von gemeinsamen Abenteuern und Nachtwanderungen im Kegellicht unserer

Taschenlampen.

 

Dabei haben die heutigen Jugendherbergen längst nichts mehr mit dem Muff von durchgelegenen Matratzen, Pfefferminztee und mäßigen Essen (Vorzugsweise Spaghetti mit Tomatensoße) zu tun.

 

Das Image und auch die Beherbergungsqualität haben sich längst den Erfordernissen der Gegenwart und den Ansprüchen der Gäste angepasst und sind auch auf Einzelreisende, Familien und  ältere Erwachsene als Gäste eingestellt. Dabei sind sie ihrer Bestimmung nicht untreu geworden, insbesondere jungen Menschen die Möglichkeit zu geben auf preiswerte Weise die Welt zu entdecken und dabei tolerante, offene und interkulturelle Begegnungstätten zu sein in denen der Gemeinschaftssinn gefördert wird.

 

Die Burg Blankenheim verfügt über alle Annehmlichkeiten, die man sich als Urlauber nur wünschen kann. Wir waren untergebracht im sogenannten Bastionshaus, dem Gästehaus der Burg in dem sich mehrere Ferienappartements befinden. Diese sind voll ausgestattete Ferienwohnungen mit eigener Küchenzeile, Kühlschrank, Mikrowelle, Herd, Kaffeemaschine und eigenem Duschbad.

TV, Sat-Receiver und sogar ein eigener Balkon runden das Angebot ab.

 

Die Appartements kann man inklusive Frühstück buchen (Halbpension oder Vollpension sind ebenfalls möglich), welches dann in der Hauptburg zusammen mit anderen Gästen eingenommen wird. So kommt man schnell ins Gespräch über Freizeittips, Herkunft und Tagesplanung der Tischnachbarn und wer möchte beschließt den Tag gemeinsam im Burgverlies, einem urgemütlichen Schankraum mit meterdicken Außenwänden und extra Bartresen. Wir haben es sehr genossen und danken an dieser Stelle herzlichst für die Einladung! 

Gemütliche Sitzecke im Burgverließ
Gemütliche Sitzecke im Burgverließ

So diente uns das Bastionshaus und das Ferienappartement Nr. 2 als ideale Herberge,  um von hier aus die nähere Umgebung zu erkunden. Wir hatten diese Kurzreise schon seit einigen Wochen geplant und wollten uns die Burgenroute erwandern, den Ort kennen lernen, und haben dabei noch die Touristeninformation, das Eifelmuseum und die Römervilla besucht. Und das alles sind nur einige der Highlights , die man hier erleben kann. Wir kommen also bestimmt wieder.

 

Nach einer ruhigen ersten Nacht und einem vorzüglichen Frühstück ging es am Samstag los, nicht ohne zuvor mit dem Herbergsvater Herrn Markus Paschek einige Informationen auszutauschen.

Wir erfuhren dass Herr Paschek und seine Frau Claudia (die eigentliche Chefin des Hauses) nun schon über 20 Jahre die Jugendherberge in der Burg führen. Dabei ist es in all den Jahren nicht immer leicht gefallen, den Spagat zwischen der Wahrung des Baudenkmals und den Vorschriften des Denkmalamtes sowie der Kommune und den baulichen Erfordernissen für einen modernen Beherbergungsbetrieb in Einklang zu bringen.

Und doch ist es ihnen gelungen dieses alte Gemäuer in ein modernes Haus zu verwandeln, in dem es allem Anschein nach an nichts fehlen läßt, was die Auszeichnung mit der höchsten Kategorie (IV von IV) aller Jugendherbergen in Deutschland  zum Ergebnis hat.  

 

Diese vier Kategorien geben dem Gast eine Orientierung bezüglich der Qualität und Ausstattung einer Jugendherberge. Nähere Informationen kann man auf der Homepage des DJH erfahren, wenn man eine Übernachtung in einer deutschen Jugendherberge plant. Sie reichen von einer einfachen und zweckmäßigen Ausstattung (Kategorie I) bis hin zu Kategorie IV. Dieser Kategorie IV wird nur Jugendherbergen zugeteilt, die über eine "hochwertige Gesamtausstattung und gehobenen Komfort, sowie einer guten technischen Ausstattung" verfügen. Das haben wir genau so empfunden. 

 

17 Komfortzimmer mit eigener Dusche und WC sorgen dafür, dass sich die Gäste rundum wohlfühlen. Neben den insgesamt 43 Zimmern mit 164 Betten stehen auch noch 5 Ferienwohnungen zur Verfügung.

Diese sind mit Handtüchern, Duschtüchern, Geschirrtüchern und Bettbezügen bereits bestens ausgestattet. Ideale Voraussetzungen also um eine persönliche Zeitreise anzutreten und sich eine wohlverdiente Auszeit "Raus aus dem Alltag" zu gönnen. Das haben wir uns verdient!


Die Burgenroute

Kleine Collage von Blankenheim bei Eifelwetter
Kleine Collage von Blankenheim bei Eifelwetter
Ein lauschiger Picknickplatz darf nicht fehlen
Ein lauschiger Picknickplatz darf nicht fehlen

Charakteristik der Tour:

 

Diese wunderbare Eifel-Wanderung beginnt am Bahnhof Blankenheim Wald, den wir nach wenigen Minuten Autofahrt erreichen. Dort stellen wir unser Fahrzeug auf dem kostenlosen Wanderparkplatz ab und finden vor Ort direkt den Einstieg in die Burgenroute, dank großflächig aufgestellter Informationstafeln und perfekter Ausschilderung (weiße Burg auf braunem Quadrat).

 

Da es sich um eine Streckenwanderung handelt haben wir mit Hilfe unseres Herbergsvaters einen Ausdruck über die Abfahrtszeiten und die günstigsten Verbindungen vom Zielort Hellenthal zurück nach Blankenheim Wald ausgehändigt bekommen, was uns am Ende der Tour noch gute Dienste erweisen wird.

 

Die Streckenwanderung ist eine landschaftlich besonders reizvolle Ergänzung zum bestehenden Eifelsteig und beträgt 17 Kilometer, die für konditionierte Wanderer ohne besondere Anforderungen gut in 5-6 Stunden reiner Gehzeit zu meistern ist. Da wir unterwegs stilvoll speisen wollen planen wir den ganzen Tag ein, was sich als richtig bestätigen sollte, denn wir brachen erst um 10:30 Uhr auf und waren gegen 21:00 Uhr zurück in der Jugendherberge.

 

Um es vorweg zu nehmen: der Transfer zurück zum Blankenheimer Bahnhof  klappte mit Bus und Bahn am Wochenende problemlos, da wir trotz mehrfacher Pausen bereits um 17:30 Uhr am Busbahnhof in Hellenthal ankamen. 

 

Für ein gemütliches Picknick bieten sich mehrere Rastplätze unterwegs an, die Ausschilderung ist, wie beim Eifelsteig auch mit guten Wegweisern und Angaben zu den jeweiligen Distanzen vom Start- und Zielort perfekt ausgeschildert.

 

 

Es empfiehlt sich geeignetes Schuhwerk, der Weg verläuft über Waldwege, Wiesenwege,  und wunderschöne pfadige Abschnitte.

Insgesamt müssen im Aufstieg 458 Meter und im Abstieg 556 Höhenmeter überwunden werden. Es ist insgesamt eine mittelschwere Genusswanderung für Naturliebhaber und Burgenfreunde. So verbindet sich auf dieser herrlichen Tour ein Nationalparkerlebnis mit Kultur, es wird abwechslungsreich und historisch. Für Kinder ist die Strecke mit 17 Kilometern jedoch vielleicht zu anstrengend und zu lang, da es keine Möglichkeit zur Abkürzung gibt.

 

Es geht direkt los wie ich es liebe:  mit einem verwunschenen Pfad nimmt uns der Wald auf. Stille empfängt uns und so gelangen wir auf verträumten Wegen durch das wildromantische Wisselbachtal. Nach ca. 400 Metern folgen wir dem Wegweiser nach links weiter talaufwärts auf einem breiten Forstweg. So folgen wir dem Wisselbach und erreichen alsbald eine Landstraße (L 204) die wir überqueren. (Höhe Parkplatz Silberberg) Hier laufen wir ein kurzes Stück entlang der Straße bis wir nach nur wenigen Minuten rechts in das nächste Naturparadies abbiegen.

 

Vorbei an einer Kastanienallee vor hohen Tannen, die sich herbstlich vor dem immergrünen Wald farblich in Szene setzt, erreichen wir beim Eintritt in den Hochwald einen idyllischen Picknickplatz unter uralten Buchen und Eichen. Hier möchte man bleiben und die Zeit vergessen. Doch in Anbetracht der Streckenlänge machen wir uns bald auf und durchwandern auf bequemen Wegen den abwechslungsreichen Forst.

 

Nach knapp 6 Kilometern treffen wir wieder auf die Landstraße und laufen zum Paulushof. wo uns mit einem 'AVE' Maria aus einer kleinen Kapelle grüßt gehen wir nun nach rechts, dem Wegweiser folgend über eine wunderschöne Wiesenlandschaft mit Weitblicken in das nächste Tal hinab. So gelangen wir durch dichten Tannenwald in das Manscheider Tal. 


Goldener Oktober im Manscheider Tal
Goldener Oktober im Manscheider Tal

Bisher ist uns tatsächlich niemand entgegenkommen oder begegnet. Seit fast zwei Stunden wandern wir bereits auf Wildenburg zu und wir haben keine Menschenseele getroffen - und das an einem sonnigen Samstag.

 

So laufen wir durch das Manderscheider Tal und erreichen dort wo sich der Talgrund immer weiter öffnet einige Infotafeln, die sich mit der seltenen Vogelwelt insbesondere der Wasseramsel befassen. Wir lernen etwas über die Böden und die Nutzung der Agrarflächen.

In der nicht immer sommerlich warmen Eifel, sind die Möglichkeiten begrenzt, doch Not machte hier im sprichwörtlichen Sinne erfinderisch. Erneut überqueren wir die Landstraße, die sich nach links blickend malerisch als schmales Asphaltband kurvig durch die Hügellandschaft windet. Von Ferne her sind heulende Motoren von Motorrädern zu hören.

 

Auf dem folgendenen Wegabschnitt sehen wir wilde, nicht veredelte Apfelbäume die dick mit kleinen Miniaturäpfeln vollhängen. Längs des Weges stehen unzählige Sträucher mit den jetzt reif gewordenen Schlehen den sogenannten 'Eifel-Oliven' aus denen auch Schnaps gebrannt wird;  dazwischen einige Hagebuttensträucher deren Früchte rot in der Herbstsonne leuchten.

 

Plötzlich schwebt vor uns auf einem Bergplateau die Wildenburg. Romantisch  ist sie auf dem Bergkamm platziert und läßt die Herzen der Burgenliebhaber höher schlagen. Und die kommen hier auf ihre Kosten, denn vor uns liegt die einzige unzerstörte und niemals eroberte Spornburg des Rheinlandes. Kurz darauf geht auch schon ein schmaler Pfad nach rechts den Hang hinauf und nach der Querung eines Siefens erreichen wir die Zufahrtsstraße mit Parkplatz, die uns nach links hinüber zur Burgschänke führt. Eine Pause und eine Stärkung bei einem frisch gezapften Kellerbier haben wir uns jetzt verdient (Ruhetag Mittwoch und Donnerstag). Das Wetter ist noch so angenehm warm, dass wir uns schön windgeschützt auf die Aussichtsterrasse setzen können. Das tut gut, und gibt uns die Kraft um die zweite Etappe, die noch einige Steigungen für uns bereit hält, gut zu meistern.



Die Wildenburg stellt ein Baudenkmal von besonderem Rang in NRW dar. Sie gehört zur Nationalparkgemeinde Hellenthal und wurde in den Jahren zwischen 1202 und 1235 auf einem Bergsporn in 526 Metern Höhe erbaut. Sie gehört zu den wenigen Höhenburgen in der Eifel, die niemals durch Kriegseinwirkungen oder Abriss zerstört wurden. In Ihrer Bauausführung ist sie als Spornburg  geplant und ausgeführt, damit die einzige unzerstörte Spornburg in NRW.  In einem kurzen Video von Rur-Eifel-TV sind einige schöne Ansichten und Erläuterungen in nur 2:22 Minuten zusammengefasst. Mich fasziniert eine Besonderheit, die ich bisher in keiner Burg erleben konnte.

 

Im Jahre 1715 erwarben die Äbte vom Kloster Steinfeld die Burg und bauten den Palas in eine barocke Kirche um. So war der Kernbau der ehemals weltlichen Herrscher, der Dynastien von Reifferscheidt und Wildenberg in eine christliche Gebetsstätte umgewandelt worden. Wer genau hinsieht, bemerkt an der Außenfassade der heutigen Kirche die vermauerten Fenster des Obergeschosses vom ehemaligen Palas, ebenso hinter dem Altar rechts oben die vermauerte Türe die zu den dahinter liegenden Bauten mit der ehemaligen Kellnerei führte. 

Im Hexenturm kann man noch das Gefängnis mit einem im Boden eingelassenen Verlies, dem sogenannten Angstloch bestaunen. Die im Boden eingelassene Türe war vom darunter liegenden Verlies unerreichbar, da der fensterlose Raum fünf Meter tief ist.

 

16 Menschen verloren ihr Leben während der Hexenprozesse. Sie wurden  gefoltert, stranguliert und verbrannt. Wer also einmal im Burgverlies landete, dessen Tage waren gezählt. Eine Flucht war nahezu unmöglich. 

Heute können wir uns diese Situation des Mittelalters kaum mehr vorstellen. Das Standesamt der Gemeinde Hellenthal verfügt hier über eine Außenstelle. So können heute Menschen den schönsten  Tag des Lebens in der Burg begehen. Wer dazu mehr erfahren möchte schaut auf der Homepage vorbei. Wir haben die Mittagspause in dieser wunderschönen historischen Atmosphäre sehr genossen.


Verwunschene Pfade durch herbstlichen Wald-ein Träumchen
Verwunschene Pfade durch herbstlichen Wald-ein Träumchen

Über das Burggelände und an der Kirche vorbei folgen wir dem Logo der Burgenroute entlang der Burgmauer wieder talwärts auf schmalem Pfad und erreichen alsbald die Landstraße L 22 die wir überqueren. Dort beginnt auf der anderen Straßenseite der Aufstieg nach Zingscheid, gut dass wir uns gestärkt haben. Wir gewinnen an Höhe und erreichen eine ausgeschilderte Mountainbikeroute, deren Beschilderung uns nach links in Richtung Reifferscheidt schicken möchte. Hier halten wir uns jedoch rechts und finden das Logo der Burgenroute schon bald wieder. Rasch ist Zingscheid erreicht und wir laufen auf schönen Pfaden hinab in das nächste Tal.

 

Vorbei an einer langen Pferdekoppel erreichen wir die ersten Häuser von Reifferscheidt, wo uns vom Berg herab die Burg und Kirche in getünchtem weiß eindrucksvoll grüßen. Wir durchlaufen den Ort in Richtung Burgberg, nehmen dann jedoch den Weg nach links durch das Tal und umrunden den Burgberg auf stillem Weg bevor wir nach rechts aufsteigend das Matthiastor erreichen. Bevor wir nun an der Grundschule vorbei dem Logo weiter in Richtung Hellenthal folgen machen wir durch das Matthiastor natürlich einen Abstecher zur Burg! 

 

Dieses Örtchen Reifferscheidt ist schon deswegen besuchenswert, weil es bei der Landesausschreibung "Unser Dorf soll schöner werden" Gold gewonnen hat. Und so präsentiert sich uns ein geschlossenes mittelalterliches Dorfensemble fein rausgeputzt und sehr gepflegt. Einfach nur schön! Das hier einmal ein eindrucksvolles Renaissanceschloß stand, können wir kaum glauben, entnehmen aber einem alten Kupferstich auf den aufgestellten Informationstafeln einige spannende Details zur Geschichte des Ortes. Vom Turm des Bergfrieds haben wir einen 360 Grad Ausblick auf die Eifel und die nahen Ardennen auf belgischer Seite - ein lohnenswerter Eifelblick!

 

Bevor wir die Schlussetappe der Wanderung in Angriff nehmen stärken wir uns im Café Eulenspiegel bei Kaffee und Kuchen und genießen das schöne Ambiente.  Zurück am Matthiastor erblicken wir auf der gegenüberliegenden Seite das Schulgebäude und finden dort das Logo der Burgenroute wieder.


Einige Impressionen von Reifferscheidt bei schönstem Herbstwetter
Einige Impressionen von Reifferscheidt bei schönstem Herbstwetter

Zurück auf dem Weg wandern wir rasch aus dem Ort hinaus und wieder in die Natur. Es geht abermals durch ein Tal und zum letzten Mal für heute erklimmen wir die Höhe auf schönem Waldpfad. Inzwischen hat die Herbstsonne einen tieferen Stand und scheint strahlend schön durch das Dickicht der Fichtenschonung.

 

Am Sendemast vorbei erreichen wir eine Wegkreuzung mit Bank, wo wir eine schöne Aussicht auf Hellenthal genießen, bevor es ab hier nur noch abwärts dem Orte zu geht. 

Eine ruhige Waldpassage bringt uns nach Kirschseiffen und über ruhige Nebenstraßen errechen wir schließlich den Busbahnhof in Hellenthal, wo um 18:00 Uhr unser Bus NR. 829 nach Kall startet. Wer noch die Zeit hat kehrt in der alten Posthalterei auf ein Belohnungsbierchen ein, das haben wir uns heute wahrlich verdient!

 

Wer die Eifel auf mehreren Streckenwanderungen erkunden möchte findet in Hellenthal eine Tourismusinformation, einen großen Wildpark mit Vogelfreifluggelände und Greifvogelschau, ebenso die Jugendherberge von Hellenthal für die nächste günstige Übernachtung.  Und in Hellenthal starten viele Wanderwege, einer davon führt zum Kloster Steinfeld und von dort nach Blankemheim zurück. So könnte man ein Drei-Tages-Programm planen. 

 

Wir beschlossen unseren Wandertag im Burgverlies der Jugendherberge Blankenheim (deutlich weniger gruselig als im Burgverlies der Wildenburg) und können sowohl für die Tour als auch für einen Aufenthalt in der Jugendburg unsere ausdrückliche Empfehlung aussprechen. Probiert sie mal aus, die Zeitreise in die eigene Vergangenheit mit Erinnerungen an die eigenen Aufenthalte in der Jugendherberge gepaart mit dem Erlebnis mittelalterlicher Burgenromantik. Es lohnt sich!

 

Der zweite Tag beginnt nebelig, jedoch mit einem gemütlichen Sonntagsfrühstück inklusive Frühstücksei. Typisches Eifelwetter eben. Unsere Tischnachbarn vom Samstag sind auch noch da und so werden Pläne geschmiedet und Erfahrungen des Vortages ausgetauscht. Erlebnisse wie man sie nur in einer Jugendherberge so erleben kann. Heute steht also ein Schlechtwetterprogramm auf dem Plan. Mal sehen, was dabei heraus kommt?!


Fortsetzung folgt...

Das Eifelwochenende in Blankenheim begeisterte mich  mit einer Vielzahl neuer Eindrücke und vielen schönen Erlebnissen und bemerkenswerten Begegnungen.

Im September 2018 startete meine Kooperation mit dem Deutschen Jugendherbergsverband Rheinland, auf dessen Einladung wir das Wochenende in der  Burg Blankenheim verbringen durften. Dafür spreche ich an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank dem DJH Rheinland aus. Mein Bericht soll  natürlich eine ehrliche Empfehlung an Euch sein, auch auf diesem Wege einmal unser Bundesland zu erkunden. Auch in zukünftigen Berichten werde ich hin und wieder mein Quartier in einer Jugendherberge beziehen, um von den dortigen Erlebnissen zu berichten. Dabei bleiben die Aussagen zum Aufenthalt  und die Bewertung immer die meinige. 

Unabhängig davon sind die Tourbeschreibungen, die ich individuell für Euch aufbereite und nur in den neuen Kontext gestellt habe.

Es ist, und ich glaube da stimmt auch jeder von Euch zu, natürlich immer eine persönliche Entscheidung, wo und wie man seine Wochenenden, Kurztrips oder Urlaube verbringen möchte. Der Aufenthalt in einer Jugendherberge eröffnet einem jedoch die Möglichkeit, wie keine zweite, die schönen Ziele unseres Bundeslandes neu zu erleben. Ich war jedenfalls begeistert über die Gastfreundschaft und die Unterkunft überstieg unsere Erwartungen. Da möchte ich diese Erfahrung nicht missen und freue mich mit Euch auf die nächsten Erlebnisse mit dem DJH. 

Ich bedanke mich für Eure Unterstützung und Euer Interesse an meinem Reiseblog, ohne die es diesen bereits 50. Tourbericht so nicht geben würde. Nun wünsche ich Euch viel Spaß, schöne Touren und tolle Erlebnisse  "Raus aus dem Alltag" - im wahrsten Sinne des Wortes. Herzliche Grüße und bis bald, Euer Matthias 


hier noch einige Endrücke von meiner Tour:


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Kommentare: 2
  • #1

    Jochen (Montag, 05 November 2018 13:20)

    Danke für diese sehr schöne Tourbeschreibung und die klasse Fotos. Mit dieser Etappe begann meine Fernwander-Karriere vor gut 8 Jahren. Ich habe damals in Hellenthal übernachtet und bin am nächsten Tag nach Einruhr weiter.

  • #2

    ontour@reiseblog-nrw.de (Montag, 05 November 2018 18:13)

    #1 Hallo und guten Abend Jochen,

    vielen Dank erst einmal für Deine Rückmeldung. Das hat mich gefreut, ausgerechnet eine Zeitreise für den Beginn Deiner Fernwander-Karriere hier zu beschreiben. Die Eifel bietet nahezu unendliche Möglichkeiten für Rund- und Streckenwanderungen, viele davon auf ausgewiesenen Premium Wanderwegen und Traumpfaden. Vielleicht schaust Du mal wieder rein, es werden noch einige Touren mehr folgen, hier im Blog. Bis dahin wünsche ich Dir eine gute Zeit und tolle Touren, beste Grüße Matthias