Zur Weinlese in das Ahrtal

Ahrsteig und Rotweinwanderweg an einem Tag

Nur knapp eine Autostunde von Köln entfernt, befindet sich das liebliche Ahrtal mit seinem stellenweise mediterranen Mikroklima und einer Weinkultur, die nachweislich bis in die Zeit der Römer zurück reicht. Insbesondere zur Weinlese in den Monaten September und Oktober locken die Weinfeste der kleinen Dörfer die Wanderer und Touristen in diese malerische Landschaft, die zwischen schroffem Ahrgebirge und lieblichen Weinbergen immer neue, wechselnde Panoramen bietet. Ein Ausflug zum verlieben schön!

 

"Ja, ja, der Wein, das ist mein Element

in seinen goldighellen Liebesfluten

will ich gesund die kranke Seele baden"

Zitat von Heinrich Heine


Ein Meer von sanft geschwungenen Weinreben umgibt den Wohnmobilstellplatz Mayschoß
Ein Meer von sanft geschwungenen Weinreben umgibt den Wohnmobilstellplatz Mayschoß

Anfahrt

Die Anfahrt von der Kölner Domplatte bis zum Bahnhof in Altenahr beträgt 64 Kilometer und dauert knapp eine Stunde.

 

Die Zieladresse für den Startpunkt lautet:

Bahnhof Altenahr.

 

Die Zieladresse für eine gute Parkmöglichkeit lautet:

Seilbahnstr. 32, 53505 Altenahr. Hier können auch Wohnmobile geparkt werden (Kein Übernachtungsplatz!)

 

Die Anreise ist mit der Deutschen Bahn natürlich problemlos möglich, die meisten Orte im Ahrtal verfügen über eine Bahnhaltestelle, oder einen Bahnhof.

So können ohne Probleme Streckenwanderungen geplant werden von Bahnhof zu Bahnhof - so wie bei dieser Tour.


Das System dieser Streckenwanderung ist simpel: man wandert vom Ausgangsbahnhof so weit man möchte und fährt vom Zielbahnhof (z.B. Mayschoß, Rech, Dernau) einfach wieder zurück zum Ausgangspunkt. Wenn man das Wohnmobil in einem der Orte untergebracht hat, ist es noch einfacher, man fährt mit der Bahn zum Ausgangspunkt und läuft "nach Hause" zurück.  Die Bahn fährt am Wochenende stündlich ab Dernau zurück( z.B. 17:17, 18:17, 19:17 etc., Einzelticket ohne Vergünstigung ab 3,80 Euro p. Person. Angabe ohne Gewähr, stand 10.2018).

Highlights

Hier kommen die Highlights der heutigen Tour im Kurzüberblick, die für mehr als einen unvergesslichen Tag sorgen werden:

  •  Der Ahrsteig, eine Streckenwanderung von 110 Kilometern in sechs Etappen von Blankenheim nach Sinzig
  • Der Rotweinwanderweg, eine Streckenwanderung, unverlaufbar ausgeschildert, führt durch die Rebhänge des Ahrtals von Altenahr über Dernau, Bad Neuenahr nach Bad Bodendorf. Sightseeing und Wellness inklusive
  • Die Etappenorte sind heute: Altenahr mit Burgruine Are aus dem 12. Jahrhundert 
  • Mayschoß mit der ältesten und besten Winzergenossenschaft Deutschlands
  • Dernau, Zielort und Weindorf mit vielen tollen Einkehrmöglichkeiten und dem ältesten Weingut der Ahr
  • Der ganze Oktober steht im Zeichen der Weinfeste: jedes Wochenende im Oktober ist alljährlich Weinfest in Mayschoß!

Ja, ich gebe es zu: ich habe einen Faible für Rittergüter, Burgen und Schlösser. Da kann ich nicht anders als Euch ein romantisches, altes Gemäuer in Bad Neuenahr-Ahrweiler vorzuschlagen, als meine heutige High-End-Variante mit Romantikfaktor:

Nützliche Weblinks

Hier habe ich einige nützliche Weblinks zusammen getragen, die bei der spontanen Planung der Tour gute Dienste leisten:



Aussichten vom Ahrsteig
Aussichten vom Ahrsteig

Etappe Eins: Über Waldpfade von Altenahr nach Mayschoß

"Das Leben ist viel zu kurz um schlechten Wein zu trinken"

"Ohne Wein und ohne Weiber, hol der Teufel unsre Leiber"

zwei Zitate von Goethe

Hinweistafel am Startpunkt der Tour in Altenahr
Hinweistafel am Startpunkt der Tour in Altenahr

Die heutige Streckenwanderung ermöglicht uns einen ersten Eindruck von der faszinierend schönen Landschaft des Ahrtales und führt über 15 Kilometer von Altenahr bis Dernau. Die Strecke ist ohne besondere Anforderung für Wanderer mit einer gewissen Kondition gut zu schaffen und kann bei Bedarf bereits in Mayschoß am Bahnhof beendet werden, dann kommt man auf eine Strecke von knapp 10 Kilometer. 

 

Der besondere Reiz dieser Tour liegt in der Kombination von Ahrsteig und Rotweinwanderweg. So kommen wir in den Genuss beide Facetten des Ahrtales an nur einem Tag kennen zulernen. Einkehrmöglichkeiten aller Preisklassen liegen auf unserem Weg und eine Führung inklusive Weinprobe in der ältesten Winzergenossenschaft der Welt, die gleichzeitig die beste Winzergenossenschaft Deutschlands ist gibt dieser Tour einen schönen Höhepunkt. 

 

Wir starten am Bahnhof in Altenahr, wo sich die Tourismus Information des Ortes befindet. Hier kann man vom kostenlosen Flyer bis hin zum Wanderbuch alles mögliche bekommen. Vor dem Gebäude am Ahrufer mit Blick zur Burgruine Are aus dem 12. Jahrhundert befindet sich zur ersten Orientierung eine große Informationstafel über die Wanderwege im Ahrtal. So können wir uns sofort einen ersten Überblick über den Wegeverlauf machen, oder kurzerhand eine individuelle Rundwanderung hier planen.

 

Alle Wegstrecken sind unverlaufbar ausgeschildert und geben dem Wanderer die nötige Orientierung. Vor dem Abmarsch erkundigen wir uns auf der Fahrplantafel der Ahrtalbahn über die Abfahrtszeiten für den Rückweg. Nun kann es losgehen. Wir nehmen den schmalen Weg der parallel zur Ahr mit Geländer am Bahnhof vorbei führt (Fluss zur linken Seite) und folgend diesem mit einer 7 gekennzeichneten Weg durch die Unterführung der Bahnstrecke hinauf auf einem kleinen Steig bis zur ersten T-Kreuzung. 

 

An dieser Abzweigung halten wir uns links und erreichen nach wenigen Metern den ersten Wetterpilz mit schöner Aussicht auf das Ortsbild und die Burgruine auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. 

 

Dem Weg weiter folgend erreichen wir nach einigen Stufen hinab den Sportplatz zur linken und den Waldspielplatz zur rechten Seite. Vor uns erblicken wir eine Brücke, die wir ignorieren und gehen hier rechts  nun wieder den Uferweg entlang.

 

Stille empfängt uns, das Zwitschern der Vögel und das Plätschern des Wassers sind bis zur Jugendherberge unsere Begleiter. Über das Gelände der Jugendherberge folgen wir der Ausschilderung des Wanderweges mit der "6" der uns hinter der Jugendherberge wieder in den Wald und wenig später in Kehren den Berg hinauf führt. An einer Wegspinne mit einer roten Bank angekommen, wenden wir uns nach links, weiter bergauf immer noch dem "Wegweiser 6" folgend.

 

So geht es auf bequemem Waldweg nun langsam aber stetig weiter bergan durch schönen Tannen- und Mischwald bis wir an einer U-Kreuzung auf eine weitere Bank treffen. Hier verändert sich der Charakter des Weges, wir folgen nicht länger dem Wirtschaftsweg der eine spitze Kehre nach rechts macht und zum Schrock und Steinerberghaus weiter bergan führt, sondern halten uns nach einer Verschnaufpause an der Bank links und folgen dem schmalen Pfad nach rechts; (links hinunter würden wir wieder absteigen zum Ahrtalweg).

 

EXTRATIP: Wer an der Wegspinne genau aufpasst findet dort, wo sich die Pfade kreuzen eine handgemalte Beschriftung mit "TL" vor. Hier verbirgt sich ein Highlight für Wanderer mit alpiner Erfahrung. Dem "TL" folgend, erreicht man in weniger als 15 Minuten das Gipfelkreuz der Teufelsley, ein alpiner Steig, ohne Sicherung mit Absturzgefahr - daher erfolgt das Begehen auf eigene Gefahr und ist nicht Teil unserer heutigen Wanderung!

 

Blick auf Mayschoß und die Burgruine Saffenburg
Blick auf Mayschoß und die Burgruine Saffenburg

Wir bleiben daher mit dem Weg nach rechts auf gleicher Höhe und folgen dem schmalen Wanderpfad der uns in Richtung Mayschoß führen wird. Nun folgt ein wunderschöner Wegabschnitt der Wanderherzen höher schlagen läßt.

 

Auf schmalem Pfad, teilweise gesichert geht es durch den Berghang in Richtung Mayschoß mit schönen Blicken durch die Bäume hinab ins Tal. Wir können uns vom ersten Aufstieg erholen, da der Weg nun eben verläuft und im weiteren Verlauf uns bergab nach Mayschoß führen wird.

 

An einer erhöhten Bank auf unserer rechten Seite und der Kennzeichnung "Wolfskul" auf einem Stein (ebenfalls rechts) teilt sich der Weg und wir müssen dort nach links hinunter (ohne Kennzeichnung!)um in den Ort zu gelangen. Wir verlassen den Wald und erreichen mit den ersten Weinreben nun eine Stelle mit schönem Blick hinab nach Mayschoß in das Tal, bis hinüber zur Ruine der Saffenburg.

 

Über die Brücke der Eisenbahnlinie kommen wir zum Wohnmobilstellplatz Mayschoß und freuen uns auf eine erste Pause im Bahnhof Mayschoß mit schöner Gastronomie und Biergartenterrasse. Alternativ sehen wir beim Erreichen der Straße, direkt vis-a-vis das große weiße Gebäude der Winzergenossenschaft Mayschoß, der wir heute einen Besuch abstatten wollen. An einem heißen Sommertag empfängt uns der angenehm kühle Keller, den wir im Rahmen geführter Touren besichtigen können-inklusive kleiner Weinprobe. Das sollte man sich nicht entgehen lassen, denn schließlich befinden wir uns nun in der besten Winzergenossenschaft Deutschlands, ausgezeichnet mit dem Staatsehrenpreis!

 

Sollte Euch der Wein zu gut munden, bestünde die Möglichkeit die Wanderung hier zu beenden und ab Bahnhof Mayschoß mit dem Zug nach Altenahr zurück zu fahren, oder in den Rotweinwanderweg einzusteigen und über diesen nach Altenahr zurück zu laufen - ebenso lohnenswert.

 


Selbsterklärend - Winzergenossenschaft mit toller Kellerführung und Weinprobe
Selbsterklärend - Winzergenossenschaft mit toller Kellerführung und Weinprobe

Etappe zwei: über den Rotweinwanderweg nach Dernau

"Rotwein ist für alte Knaben, eine von den besten Gaben

man könnte meinen ein Zitat von Heinz Erhardt, jedoch tatsächlich von Wilhelm Busch

Traumblicke vom Rotweinwanderweg
Traumblicke vom Rotweinwanderweg

Im Anschluß an die Kellerführung  nehmen wir  die schmale Gasse links von der Winzergenossenschaft und laufen hinauf in die Weinberge. Vorbei am Campingplatz zur Burgwiese erreichen wir weiter oben unterhalb des Waldes eine T-Kreuzung an der wir rechts gehen. Hier befinden wir uns nun auf dem Rotweinwanderweg. (Würden wir hier auf dem Rotweinwanderweg links gehen, kämen wir ohne weitere Abzweigungen mit der Wegkennzeichnung der roten Trauben auch nach Altenahr zurück).

 

Es sind nur noch wenige Schritte bergan dann treten wir aus dem Schatten der Bäume hinaus in die Weite der Weinreben und Weinberge. Was für eine Aussicht! Fortan laufen wir ohne große Anstrengungen und nur mit moderaten Steigungen meist auf gleicher Höhe entlang  dem Balkon des Ahrtales, oberhalb von Mayschoß. Der Blick auf Ort und Kirche ändert sich nach jeder Kehre und gibt umwerfend schöne Blicke hinab ins Tal. Das hat die Mühen auf jeden Fall gelohnt. Nun gehen wir ohne weitere Abzweigungen den gesamten Rest des Weges bis Dernau entlang des Rotweinwanderweges - ca. 5 Kilometer sind es noch bis zum Ziel. Dabei spart der Weg nicht mit Ruhebänken an besonders schönen Stellen und wenn wir uns in der Winzergenossenschaft eingedeckt haben kann es ein besinnlich heiterer Verlauf der Wanderung bis zum Endpunkt in Dernau werden.

 

In den Monaten September und Oktober sind bei gutem Wetter Weinstände entlang des Weges aufgestellt, so dass wir von Federweißer über Roter Sauser bis hin zur Goldkapsel-Prämierung alle Qualitätsweine verkosten könn(t)en.

 

Im weitere Verlauf des Weges kommen wir bei einem außergewöhnlich schönen Winzerhof vorbei, dem Michaelishof. Das freut die Autofahrer und Antialkoholiker, denn hier werden Gut-bürgerliche Küche, Kaffee und Kuchen sowie Wasser und Softdrinks gereicht - ein idealer Platz für eine weitere Pause.


Der Michaelishof-im warmen Licht der späten Nachmittagssonne
Der Michaelishof-im warmen Licht der späten Nachmittagssonne

Nach verdienter Stärkung und einer schönen Pause, geht es los auf die letzte Teiletappe bis nach Dernau, die auch wieder sehr schöne Ausblicke auf die Weinanbauflächen und die bewaldeten Höhen des Ahrgebirges bietet. 

 

Wir bleiben der Wegkennzeichnung 'Rote Traube'/Rotweinwanderweg treu und wenn uns die Füße angesichts der kulinarischen Genüsse etwas lahm geworden sind, dann kann man die Strecke auch in der nächsten Ortschaft mit Namen Rech beenden, denn auch dort hält nur wenige hundert Meter unterhalb des Rotweinwanderweges die Ahrtalbahn, die uns zurück zum Ausgangspunkt bringen wird.

 

So kann man die Wegstrecke um gut drei Kilometer (bis nach Dernau) verkürzen und spart zeitlich eine gute 3/4-tel Stunde Zeit ein. Diejenigen, die bis Dernau weiterwandern haben sicherlich noch Zeitreserve und erleben einen schönen Streckenverlauf.

 

Und eines kann ich Euch versprechen: die Mühe wird belohnt! In Dernau angekommen befindet sich auf der gegenüberliegenden Ahrseite, jenseits der Brücke die Winzergenossenschaft Dernau mit einer schönen Terrasse und einer Einkehrmöglichkeit. Hier lohnt es sich zu stöbern und zu probieren, ebenso in der mittelalterlichen und malerischen Ortsmitte, wo es so manche urgemütliche Strausswirtschaft und das alte Weingut Schloßhof mit Straußwirtschaft gibt. 

 

Außerdem gibt es mit dem Hofgarten von Meyer-Näkel ein sehr gepflegtes Weinlokal mit leckeren Speisen und urig-gemütlichem Ambiente, direkt an der Kirche, aber auch viele andere namhafte Produzenten, wie beispielsweise Reinhold Riske, oder Erwin Riske.

 

Da muss man schon aufpassen nicht die letzte Bahn heimwärts zu verpassen.

 

 


Auf dem Rotweinwanderweg eröffnen sich uns imaginäre Türen zu neuen Erlebnissen
Auf dem Rotweinwanderweg eröffnen sich uns imaginäre Türen zu neuen Erlebnissen

Fazit Dieser einmaligen Erlebnis-Tour:

Dieser Ausflug ins Ahrtal ist in vielfacher Hinsicht als sehr lohnenswert einzustufen und eröffnet Euch ein wahres Feuerwerk an Freizeitmöglichkeiten nur eine Autostunde von Köln entfernt. Wer den kurzen Anreiseweg auf sich nimmt, erlebt einen Urlaubstag vom Alltag in einer völlig anderen Welt mit Natur, Kultur und Geschichte, die vom Regierungsbunker der jungen BRD bis zu den Römern zurück reicht.

 

Ein spezifisches Mikroklima, welches mancherorts mediterrane Flora und Fauna hervorbringt lässt hier Rebsorten und Weinreben von außergewöhnlicher Güte, Reinheit und besonderen Oechslegraden gedeihen. Aus diesem Grunde spricht die Wein-Fachpresse auch von Deutschlands "Rotweinparadies". Die Auszeichnungen spezifischer Weingüter mit Bestnoten der Landwirtschaftskammer und der Bundesweinprämierung sprechen seit Jahrzehnten für sich. 

 

Das Ahrtal hat sich auf den Tourismus in vorbildlicher Weise eingestellt und so kann jeder ganz nach seinen Wünschen die passenden Unterkünfte (unabhängig vom Geldbeutel) finden und erleben. Was allen gratis verbleibt ist das hier beschriebene Naturerlebnis, welches tatsächlich den Wunsch bestärken kann mehr zu erleben. 

Genau aus diesem Grunde bin ich sicher, dass auch nach mehr als 2.000 Jahren der Drang der Menschen für erlebnisreiche Stunden, Tage und Wochen im Ahrtal nicht abnehmen wird. In diesem Sinne wünsche ich Euch schöne Erlebnisse im Ahrtal mit dem letzten Zitat für heute:

 

"In vino veritas" - "Im Wein liegt die Wahrheit"

 

 

Ich wünsche Euch viele schöne Erlebnisse im Ahrtal und auch weiterhin mit diesem Reiseblog. Bis bald, es grüßt herzlichst Euer Matthias

 

Hier noch einige eindrücke von meiner Ahrtal-Tour:


Vine-art  in black and white
Vine-art in black and white

Take a walk on the wilde side
Take a walk on the wilde side

Good vineyards, good feelings
Good vineyards, good feelings

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