Altenberg: Die Wiege des Bergischen Landes

Wie das Bergische Land zu seinem Namen kam

Es ist noch kein Frühling in Sicht aber die Wettervorhersage verspricht uns heute 6 Stunden Sonne und blauen Himmel bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ich habe über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel  gesündigt (behauptet meine Waage) und die Wanderschuhe stehen schon viel zu lang im Schrank. Der Telefonanruf eines lieben Freundes weckt mich aus meiner Lethargie und auf seine Frage ob ich heute Zeit habe lautet die Antwort: "ja". Was dann spontan dabei herauskam erzähle ich Euch heute - und wünsche Euch genauso  eindrucksvolle wie erlebnisreiche Stunden auf dieser genialen Rundtour.


Der Altenberger Dom, wie er sich den Pilgern schon seit Jahrhunderten in seiner Silouhette zeigt.
Der Altenberger Dom, wie er sich den Pilgern schon seit Jahrhunderten in seiner Silouhette zeigt.

Anfahrt

Nein, einen Bahnhof gibt es nicht. ;o) Die Nord-Südachse von NRW, die  A3 verlassen wir beim Kreuz Leverkusen auf die A1 Richtung Dortmund. Nach 20-30 Minuten fahren wir ab bei der AS Burscheid/Altenberg und folgen im weiteren Verlauf der Ausschilderung rechts Richtung Altenberg durch den Ort Blecher hindurch und dann in Serpentinen hinab zum Tal der Dhünn und zum  Altenberger Dom.

Track

Stellplatz und Weblinks

Wohnmobilstellplatz (ausgeschildert):

http://www.promobil.de/stellplatz/Stellplatz-am-Maerchenwald-2785.html

 

Diverse Parkplätze rund um den Dom. Diese sind saisonal unterschiedlich kostenfrei oder gebührenpflichtig, Parkplatz "Märchenwald" im Winter gratis (Kasse nicht besetzt) - gilt auch für das WOMO, andere Parkplätze gebührenpflichtig.

 

Wanderwegbeschreibung:

https://www.bergisches-wanderland.de/de/roi-details/roi/866/grafen-und-moenchsweg/index.html

Zum Downloaden auch ein pdf-Dokument, Original vorrätig kostenlos im Domladen.



Wir parken unser Wohnmobil (oder den PKW) auf dem Parkplatz am Märchenwald. Falls wir jetzt keine Lust auf eine Wanderung haben ist dieser Ort dennoch sehr sehenswert. Mit Kindern gehen wir in den Märchenwald und machen einen Spaziergang entlang des Eifgenbaches . Sehr idyllisch.

Die Wohnmobilisten  sehen sich um und stellen fest: mindestens 3 Gastronomiebetriebe und ein Imbiss sowie eine Chemietoilette auf dem Parkplatz. Der Stellplatz liegt direkt ruhig am Wasser des Eifgenbaches, wo wir sogar unsere Stühle im Grünen am Bachbett abstellen können.  Besonders am Abend, wenn der Besucherstrom abebbt und die Motorräder verstummen wird es lauschig.  Im Winter noch gratis-Geheimtipp, im Sommer am Wochenende vielleicht nicht?!

Doch wir sind gekommen um den "Grafen- und Mönchsweg" unter die Füsse zu nehmen. Der ist als Rundweg angelegt , 11,4 Km lang, hat die Möglichkeit unterwegs einzukehren und dauert ca. 3-4 Stunden.

Logisch, dass der Dom und seine umliegenden Gebäude uns zuerst anziehen und so gehen wir in seine Richtung. Mich zieht es einerseits direkt in den Küchenhof, weil ich hier den heißen Kaffee am Kaminofen genieße bevor es losgeht, andererseits zum Domladen

Diesen mag ich sehr, weil er neben sehr schönen Büchern auch den Touristischen Info-Punkt Altenberg mit allerhand tollen, kostenlosen  Informationen bereit hält. Dies spart eine stundenlange Vorbereitung und macht auch Lust auf "mehr"!

Wir befinden uns hier am Dom in der Keimzelle des Bergischen Landes. Der Dom ist Grablege der Herren von Berg.

Wenn es das Wetter möglich macht, liebe ich es in der freien Natur unterwegs zu sein. Kann man den im Winter gehen, wenn das Wetter gut ist? Meine Erkenntnis für Euch: Kein Problem, da wir Bodenfrost haben gibt es keinen Matsch. Das kann im Februar-April anders aussehen.  Festes Schuhwerk sollte also in jedem Fall schon sein.

 

 

Zwei Blogbeiträge über Düsseldorf und Köln habe ich bereits hier veröffentlicht, ohne Euch mit Geschichte zu überfordern. Das soll heute nicht anders werden, denn 8 Informationstafeln auf dem Weg erzählen uns eine ganze Menge zu den Grafen und Mönchen von Berg. Aber die Auflösung warum ein Dom mitten im Wald gebaut wird und das Bergische Land heißt, wie es heißt  - das verrate ich Euch später.

Diese Rundtour ist auch für kleine Wanderer spannend denn es geht vorbei an alten Ruinen und um einen verschollenen Schatz.

 

Der Weg ist unverlaufbar ausgeschildert und beginnt beim Durchschreiten des barocken Tores (siehe Bild Rechts) direkt dahinter links herum  am Ufer entlang und ist ausgeschildert als weiße "6" auf rotem Grund. Vielleicht habt Ihr im Domladen die Wanderkarte eingepackt und/oder den kostenlosen Prospekt? Gut, dann kann es ja losgehen.

Ich zeichne diese Rundtouren nicht mit gps über komoot auf, da es bei dieser Tour nicht nötig ist.

"Auf dem Weg begibt sich der Wanderer auf eine Zeitreise. Er erfährt, wie die Mönche den Dom gebaut haben, warum die Menschen des frühen Mittelalters die Grenzen ihrer Besitzungen befestigen mussten oder entdeckt die Überreste einer alten Fliehburg. Eine aufwendige Rekonstruktion der Burg Berge lässt erahnen, warum diese Anlage für die Zeitgenossen so beeindruckend war" Zitat aus dem Flyer "Der Bergische Streifzug 6"

Wir haben heute Glück mit dem Wetter und nachdem wir durch die Unterführung und vorbei am Hotel Wißkirchen einige hundert Meter eben durch das Tal gelaufen sind biegt der Weg nach rechts ab und bringt uns in den Wald hinein. Schnell gewinnen wir an Höhe und sind plötzlich ganz allein. Da ist es wieder dieses Wander-Glücks-Gefühl. Pfadig und verschlungen, so wie ich es mag geht es dahin. Die Vögel stören sich nicht an der Kälte und zwitschern, die Spechte klopfen an den Bäumen und der Bussard zieht seine Kreise über der weißen, zugefrorenen Anhöhe auf der Suche nach Beute. 

 



In der Sonne ist es schon schön warm- unglaublich
In der Sonne ist es schon schön warm- unglaublich

Die Charakteristik des Weges ändert sich im Verlauf mehrmals. Pfadige schöne Waldabschnitte wechseln sich ab mit aussichtsreichen Weitblicken und einigen kurzen Asphaltpassagen, die aber schnell vergessen sind. Es geht in Form einer 8 parallel zum Dhünntal stetig auf und ab bis nach Odenthal, wo wir uns mit Bargeld (Sparkassen-Geldautomat) versorgen können. Ein Hinweis meinerseits der nicht im Flyer zu finden ist: schaut Euch doch mal den Hexenbrunnen in der Ortsmitte an. Da gibt es Schauriges zu sehen und zu erzählen für Euch und Eure Kinder. Vielleicht macht Ihr auch einfach nur eine Pause in der dortigen Gastronomie. Schöne Fachwerkhäuser geben ein harmonisches Ortsbild, welches zu den grausamen Geschichten der Vergangenheit so gar nicht passen mag.

Der gesamte Rundweg bleibt durch die "Highlights" und Info-Tafeln am Wegesrand  interessant und kurzweilig. Wir kamen ohne Karte aus, mussten jedoch an zwei, drei Stellen gut aufpassen um im Gespräch nicht den ein- oder anderen Abzweig zu verpassen.

 

FAZIT: Diese Tour ist für den normal Konditionierten gut zu machen und mit 11,4 Km  bei 3-4 Stunden als Halbtagestour einzustufen. Kinderwagen haben hier nix zu suchen, da schiebt man nur "Frust". 

Im Ergebnis bleibt noch genügend Zeit im Laden zu schmökern und sich vielleicht einer Domführung

anzuschließen, oder den Märchenpark zu erkunden. Dies alles in Summe betrachtet beschert uns einen Urlaubstag vom Alltag in einer völlig anderen Welt nur 40 Minuten von Düsseldorf oder Köln entfernt. Hierhin komme ich immer gerne wieder und probiere nach und nach noch andere Touren aus. Also bis bald!

Geschichte des Altenberger Domes

Majestätisch ragt der Altenberger Dom zwischen den Baumwipfeln hervor.  Auf den Mauern eines romanischen Vorgängerbaus begannen die Zisterziensermönche 1259 mit dem Bau der gotischen Abteikirche. Der Bau wurde nach langer Bauzeit 1379 vollendet und verkam im 19. Jahrhundert  nach einem Brand und der Säkularisation zur Ruine.  Das ursprüngliche Kloster wurde als Ableger des Klosters Morimond in Burgund gegründet. Am 25. August 1133 kamen von dort zwölf Mönche unter Abt Berno ins Dhünntal. Ihnen stand zunächst der Stammsitz der Grafen von Berg , die im 11. Jahrhundert erbaute Burg Berge zur Verfügung, die Graf Adolf II. von Berg den Zisterziensern geschenkt hatte , als er mit Schloss Burg an der Wupper eine neue Burg errichtete. Adolfs älterer Bruder Graf Eberhard von Berg war 1129 in das Zisterzienserkloster von Morimond eingetreten. Ein weiterer Bruder, Bruno II. war damals Erzbischof von Köln. die drei Brüder stiftetet die Abtei aus Dank an Gott und schufen mit diesem "Familienkloster" gleichzeitig eine angemessene Familien-Grablege.  Im 19. Jahrhundert verhalf der König von Preußen, Friedrich Wilhelm III. nach dem Brand durch massive finanzielle Mittel dem Kloster zu neuem Glanz.

 

Die damalige Burg Berge haben wir als Bodendenkmal auf unserer Wanderung passiert. Diese wurde als Baumaterial abgetragen und nach den Regeln der Zisterzienser  für den Bau des Klosters im Tal der Dhünn verwendet. Durch diese historischen Verknüpfungen erfahren wir woher der Name des bergischen Landes kommt: die Herren von Berg, gaben diesem Landstrich als ihrem Hoheitsgebiet den Namen.

Heute ist der Dom ein Zentrum geistlicher Musik und ein  ökumenischer Treffpunkt der evangelischen und katholischen Konfessionen.

Trotz der wechselvollen Geschichte ist es um so außergewöhnlicher, dass wir heute noch ein Superlativ aus dem 14. Jahrhundert bestaunen können: das um 1390 entworfene und vermutlich vor 1400 fertiggestellte Westfenster des Altenberger Doms ist das größte gotische Bleiglasfenster nördlich der Alpen. Es stellt das himmlische Jerusalem dar. Die letzte Renovierung und Reinigung dieses einmaligen Fensters dauerte ganze 11 Jahre (1994-2005)!


High-End oder Low-Budget?

Oh, ihr habt es schon vermisst? Ich habe es nicht vergessen: man kann das ganze natürlich auch als romantisch- Verliebter sehen. Der Dom mit dem darum herum liegenden Bauten - Ensemble ist schon sehr idyllisch. Und im Sommer Heiraten kann hier sehr schön sein, denke ich.

Was liegt da näher als mit seiner Liebsten/seinem Liebsten im "Altenberger Hof" direkt vis-a-vis des Domes einzuchecken. Über booking.com bekommt der Altenberger Hof **** 4 Sterne. Eine wirklich schöne Location, in der man nach telefonischer Voranmeldung auch gut speisen kann. Meine "High-End" - Variante für Euch. Wenn Ihr noch nicht so weit seit: Kein schlechter Ort für eine Verlobung und einen Antrag ;0)

Auch nett zur Silberhochzeit, nicht wahr?

Die "Nice-Price" - Variante ist auch nicht zu verachten: Im Märchenwald befindet sich eine märchenhafte Gastronomie mit bergischen Leckereien. Als Alternative nenne ich den Küchenhof, danke für den genialen Milchreis-Kuchen mit Zimt und Zucker: das war meine persönlichste Zeitreise!

Zur "Low-Budget" - Variante gibt es wunderbare Picknickplätze in der freien Natur und *pssst am Eifgenbach, direkt unterhalb des Womo kann man  am Bachufer chillen und lecker Wein trinken (aber nur mit Gas grillen, ok?!!!)

 

Ich freue mich, wenn ich Euch auch mit dieser Tour einen schönen Tag bereiten konnte und sage danke für Eure Rückmeldungen!

 


Hier noch einige Eindrücke von meiner Tour


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