Kaiserstadt mit heilenden Quellen

Aachen, eine europäische Stadt

2018 beginnt mit einem besonderen Jubiläum: wir gratulieren der Stadt Aachen zur Ernennung der ersten deutschen kulturellen Welterbestätte 1978. Es war am 31.03.1978, vor  genau 40 Jahren als die UNESCO den Aachener Dom zur ersten Welterbestätte Deutschlands ernannte, noch vor dem Kölner und dem Trierer Dom. Deutschlands westlichste Großstadt weiß mit diversen Kulturschätzen und architektonischen  Highlights seine Besucher zu begeistern. Die heißesten Thermalquellen Mitteleuropas machen die Stadt zur Kurstadt. Über 500 Jahre wurden Könige hier gekrönt. Das machte Aachen zu einer der wichtigsten Städte Europas. Wir tauchen ein in die Geschichte mit vielen kulturellen  und kulinarischen Höhepunkten im Dreiländereck Holland-Belgien-Deutschland.


Das perfekte Oktogon wird in der Domkuppel offenbart
Das perfekte Oktogon wird in der Domkuppel offenbart

Anfahrt

Die Anfahrt von der Kölner Domplatte bis zur ersten Zieladresse am Wohnmobilstellplatz beträgt 85 Kilometer und dauert eine knappe Stunde.

 

1. Zieladresse: Branderhofer Weg 11, 52066 Aachen (Stellplatz)

 

2. Zieladresse: Ferienwohnung Abteitor: Abteiplatz 6, 52066 Aachen (im Bild)

 

3. Zieladresse: Jugendherberge Aachen: Maria-Theresia-Allee 260, 52074 Aachen

 

Diverse Parkhäuser sind in unmittelbarer Nähe zu Dom und Rathaus vorhanden.

 

Anfahrt mit der Deutschen Bahn bis Aachen Hauptbahnhof problemlos möglich.

Highlights

Diverse Highlights werden dafür sorgen, dass wir heute wieder einen genussvollen und abwechslungsreichen Tag verleben werden:

  • Dom, erste deutsche Weltkulturerbestätte überhaupt, seit dem 31.03.1978
  • Rathaus, gegen Eintritt zu besichtigen: der beeindruckende Krönungssaal. Dort wird der Aachener Karlspreis verliehen.
  • Bad Aachen: heiße Quellen im Kurort Burtscheid.
  • Alt Aachener Kaffeehaus "van den Daele" seit 1765 am Büchel
  • Urgemütlich ist es im Gasthaus Postwagen am Rathaus
  • Puppenbrunnen von Bonifatius Stirnberg am Dom
  • Carolus Therme, Erholung und Entspannung 
  • Elisenbrunnen, Aachener Heilwasser, nix für empfindliche Nasen
  • Theater Aachen, architektonisch und kulturell ein "Hingucker"

Nützliche Weblinks

  • Vorbildlicher Wohnmobilstellplatz für 46 Mobile im Ortsteil Burtscheid, hier der link zur Homepage, Übernachtung 17,00 Euro (Stand 01.2018)
  • LOW-BUDGET-Empfehlung: die Aachener Jugendherberge ist ein Treffpunkt der Jugend aus ganz Europa inklusive Familienzimmern und toller Verpflegung. Übernachtung ab 23,90 Euro.
  • Ferienwohnungen im historischen Gemäuer im Abteitor, einfach TOP!
  • Eine gute Adresse zum Verwöhnen: Alt-Aachener Caféhaus Van den Daele
  • Die Carolus Therme, eine Garantie für Wellness, Massage, Entspannung und Erholung, Öffnungszeiten und Eintrittspreise findest Du hier. KEINE Wohnmobilparkplätze vorhanden, dafür PKW-Garage am Haus.
  • Bistro Petit Charlemagne, eine feine Adresse für französische Küche
  • Alt Aachener Brauhaus am Theater bietet deutsche Küche mit Schlachtplatte und Haxen in urigem Ambiente, vormals DEGRAA


Aachener Rathaus mit dem berühmten Karlsbrunnen: Kaiser Karl der Große mit den Reichsinsignien
Aachener Rathaus mit dem berühmten Karlsbrunnen: Kaiser Karl der Große mit den Reichsinsignien

Aachen, Jerusalem, Karl und Jesus von Nazareth: Christentum und Kaiserreich

Hologramm des Kaisers Karl
Hologramm des Kaisers Karl

Wer Aachen zum ersten Mal besucht, der kommt an Deutschlands berühmtestem Kaiser, Karl dem Großen (748-814 n.Chr.) wohl nicht vorbei. Doch der Reihe nach....

 

Aachen ist die westlichste Großstadt der Bundesrepublik und hat runde 243.000 Einwohner. Die Stadt liegt weder an einem Fluß noch an einem Meer und doch verdankt sie ihren Aufstieg einzig und alleine dem Wasser.

 

Bereits die Kelten, später dann die Römer und danach die Franken haben hier aufgrund der heißen und schwefelhaltigen Thermalquellen bereits gesiedelt und die heilende Wirkung dieses Wassers gekannt. Seid tausenden von Jahren tritt im Stadtgebiet heißes Thermalwasser offen zu Tage, welches seinen Ursprung in dem Vulkanischen Gestein der Eifel findet. Aachen verfügt über die heißesten Thermalquellen Mitteleuropas  mit einer Kerntemperatur von 63 Grad Celsius . Genau diese sind der simple Grund für eine mehr als 2.000 Jahre währende Siedlungs- und Stadtgeschichte.

 

Wie kann es da verwundern, wenn Aachen auch heute noch die Stadt der Brunnen genant wird, wovon wir uns bei einem Rundgang noch ausgiebig überzeugen werden.

 

Kein geringerer als Karl der Große höchstselbst bestimmte im 8. Jahrhundert das königliche Hofgut seines Vaters Pippin (714-768) bei den heißen Quellen zu seiner Hauptresidenz. Diese ließ er ab dem Jahr 786 zu einer ausgedehnten Pfalzanlage mit Palastaula, Hofkapelle und Königsbad ausbauen.

 

Beim Bau des Domes folgte er dabei römischen und byzantinischen Vorbildern in deren Stil er das Oktogon des Domes errichten ließ. Dazu wurden die versiertesten Handwerker und Künstler des Reiches zusammengerufen. So finden sich auch heute noch die größten noch erhaltenen Bronzegußtüren aus Karls Zeit im Haupteingang des Domes. Sie sind über 1.200 Jahre alt und alle Kaiser, Bischöfe, Künstler (z.B. Albrecht Dürer, Heinrich Heine oder Otto von Bismark) und Könige des Mittelalters sind durch diese Türen geschritten -auch Karl selbst!  Nirgendwo in Deutschland sonst treffen wir auf eine solche perfekte Dichte an Geschichte.


Radleuchter im Dom und Marmor aus Ravenna
Radleuchter im Dom und Marmor aus Ravenna

Der Kernbau, das karolingische Oktogon ist der älteste monumentale deutsche Steinbau des Mittelalters und somit einer der markantesten Meilensteine der abendländischen Geschichte und des Christentums.

 

Karl der Große sah sich als Erbe der römischen Kaiser und zugleich als Stellvertreter Gottes auf Erden in der römisch-christlichen Tradition Konstantin des Großen. Konstantin wurde 324 n. Chr. alleiniger Kaiser Roms und Herrscher über das Römische Reich, welches er mehrere Jahrzehnte von Trier (!) aus regierte. Aufgrund aufkeimender Unruhen im Osten des römischen Reiches, wechselte er seinen Regierungssitz nach Byzanz und gründete dort am Goldenen Horn die nach ihm benannte Stadt Konstantinopel, welche heute Istanbul heißt.

 

Im  Jahr 800 brach Karl zu einer wichtigen Reise nach Rom auf. Dort angekommen ließ er sich in Gegenwart des Papstes am Weihnachtstag 800 zum Kaiser krönen und herrschte danach 14 Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 814 über sein Reich von Aachen aus. Er, der erste europäische Kaiser, Einiger Europas, legte den Grundstein des Domes,  und wurde dort auch im Jahre 814 bestattet.

 

Den gewichtigen Stellenwert des Karolinger Reiches, behielt Aachen auch nach seinem Tode bei. In den Jahren 814-1531, einem Zeitraum von mehr als 700 Jahren wurden hier über 31 Könige zu Herrschern gekrönt. Den Thron Karls des Großen, auf dem alle nachfolgenden Könige inthronisert wurden,  kann man nur im Rahmen einer Domführung zu Gesicht bekommen, da er sich im Säulenumwehrten Umgang des Oktogons befindet, welcher nicht frei zugänglich ist.

 

Der Legende nach sollen die schlichten Marmorplatten aus denen der Thron gefertigt ist aus der Grabeskirche in Jerusalem stammen. Sechs Stufen führen zum Sitz, die gleiche Stufenanzahl wie zum Throne König Salomons. Die ehemals vermutlich unter der Sitzfläche aufbewahrte Kreuzesreliguie gilt als verschollen.

 

Die übrigen Reliquien zählen zu den bedeutendsten der Christenheit und wurden gemäß den Reichsannalen bereits im Jahre 799 durch Karl in den Dom gebracht. Es galt die Reliquien aus Jerusalem vor der Vernichtung, der zu dieser Zeit unter muslimischer Herrschaft stehenden heiligen Stadt, zu retten. Zudem sollte in Aachen das Zentrum seiner Macht entstehen. Das führte schon zu seinen Lebzeiten  zu den Wallfahrten und Heiligtumsfahrten, welche in diesen Reliquien begründet sind und bis in unsere Gegenwart alle 7 Jahre stattfinden.


Fantastische Mosaike im Dom
Fantastische Mosaike im Dom

Die wichtigsten im Dom aufbewahrten Reliquien sind:

  • die Windeln von Jesus 
  • das Lendentuch Christi,
  • das Kleid Marias (seiner Mutter),
  • das Enthauptungstuch Johannes' des Täufers

Sie werden im kostbaren goldenen Marienschrein aufbewahrt  und alle 7 Jahre der Öffentlichkeit zur Heiligtumsfahrt gezeigt - das nächste Mal ist es  2021 so weit. 

Desweiteren gibt es in der Domschatzkammer die kleinen Heiligtümer. Dazu zählen die folgenden Gegenstände:

  • der Gürtel Mariens
  • der Gürtel Christi
  • der Geißelstrick Christi 

Zum Kirchenschatz zählt natürlich der goldene Karlsschrein im Zentrum der Gothischen Halle - liebevoll im Volksmund 'Aachener Glashaus' genannt. In ihm liegen die Gebeine des großen Herrschers.

 

Der Aachener Domschatz ist in der Domschatzkammer zu bewundern. Auch er stellt ein Superlativ dar, denn er ist der bedeutentste Kirchenschatz Europas.

Besonders erwähnenswert ist die Büste mit den Antlitz Karls; in ihr befindet sich die Schädeldecke des ersten europäischen Kaisers.

 

Ein Mysterium umgibt Karl und den Dom bis heute: 

Am 28. Januar 814 starb Karl der Große und er wurde am Abend des gleichen Tages im Dom bestattet. Das war sehr ungewöhnlich und über die genauen Vorgänge und Umstände schweigt sich sein Biograph Einhard aus. Am 24. Juli 1215 wurden die Gebeine des Kaisers durch den Kaiser Friedrich Barbarossa in den eigens angefertigten Karlsschrein überführt, wo sie sich auch heute befinden. Seitdem ist die ursprüngliche Grabstätte trotz intensiver archäologischer Untersuchungen bis heute nicht gefunden und daher unbekannt. 


Teuflische Legenden und kaiserliche Lebenslust

Turm, Oktogon und gothische Halle: imposante Ansicht aus der Fussgängerzone
Turm, Oktogon und gothische Halle: imposante Ansicht aus der Fussgängerzone
Blick auf den Dom vom Domhof
Blick auf den Dom vom Domhof

Zum Dombau gibt es auch eine teuflische Legende, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

 

Man erzählt sich dass nach der Grundsteinlegung des Domes durch Karl die Bauarbeiten zügige Fortschritte machten. Um die Dombauhütte und die aufzubauenden Palastaula entwickelte sich die Stadt. Immer mehr Tagelöhner wollten auf der Großbaustelle ihr Brot verdienen. Und wahrlich wuchs ein wunderbarer Bau unter Oldo von Metz, dem überlieferten Dombaumeister heran, kannte man doch zu dieser Zeit nur Bauten aus Holz.

 

Eines Tages brach Karl zu einem Kriegszug gegen die rebellischen Sachsen auf mit dem Ziel , die Sachsen zu unterwerfen und den Christlichen Glauben im Reich zu etablieren. Er legte die Verantwortung für den Dombau in die Hände des Stadtrates. 

Zunächst verlief auch alles planmäßig, nur  versickerte das zur Verfügung stehende Geld in nicht nachzuvollziehenden Kanälen und den Verantwortlichen gingen somit die Mittel aus, die Dombauhütte für ihre Arbeit zu bezahlen.

Um ihren Kaiser nicht zu enttäuschen rief der Stadtrat zu einer außerordentlichen Sitzung , zu dieser ein fremder Mann in edlem Gewand erschien. Dieser bot den Aachenern an, die weiteren Kosten zur Vervollständigung des Domes zu bezahlen, unter einer einzigen Bedingung: Er verlangte die Seele desjenigen, der nach Vollendung des Domes das Münster zuerst betreten sollte. 

 

Die Aachener erschraken bei der Erkenntnis, dass  es sich um den Teufel selbst gehandelt haben muss, und einigten sich dennoch aus Ermangelung fehlender Alternativen. Schon bald erhob sich der prächtigste Kirchenbau nördlich der Alpen über der Stadt und der Tag der Domweihe rückte immer näher.

Aus lauter Verzweiflung schickte man Jäger in den Wald einen Wolf zu fangen und scheuchte diesen als erstes Lebenwesen durch das Domportal in die Kirche. 

 

Der Wolf mit Loch in der Brust symbolisiert die verlorene Seele
Der seelenlose Wolf im Eingangsportal des Domes

Der Teufel, mit luziferischer Gier die Seele erwartend, zerfleischte den Wolf und bemerkte die List zu spät. Wutschnaubend rauschte er aus dem Dom und schmiss die Türe hinter sich ins Schloß, so fest, dass sie einen Riss bekam und ihm seinen rechten Daumen abtrennte. Jaulend verfluchte er die Aachener und schwor Rache.

 

Wir wissen heute, dass dieser Vorfall ein Nachspiel hatte: Wenn wir den Dom durch dasselbe Portal heute betreten, dann können wir im rechten Türgriff, dem Löwenkopf, den Daumen des Teufels ertasten.

Im Vorraum des Domes erblicken wir den geschundenen Wolf, mit einem Loch in der Brust, welches dem Dombesucher den Verlust der Seele dieses armen Tieres aufzeigt.

 

Und die Burtscheidter Bürger sagen heute noch, hätten die Aachener den Vertrag mit dem Teufel nicht geschlossen, dann würde ihr Heilwasser auch nicht nach verfaulten Eiern stinken. 

 

Soweit die Legende vom Dombau und von den "Fakten" kann man sich vor Ort überzeugen im Dom und am Elisenbrunnen:

Aachens Heilwasserbrunnen, an welchem sich schon Kaiser und Könige labten um zu gesunden. Die Marmortafeln am Brunnen nennen uns die prominenten Besucher, die Heilung mit dem Aachener Wasser erhofften.

 

Die Tatsachen und Sagen verweben sich in Aachen zu einer unglaublichen Entstehungsgeschichte, die es in unserer heutigen Generation zum Hollywood-Blockbuster bringen würde. Auch die Lebensgeschichte des Kaisers ist wirklich einzigartig. Werfen wir doch einen kurzen Blick auf seine Person:

Albrecht Dürers Porträt des Kaisers entstand während seines Aufenthaltes in Aachen
Albrecht Dürers Porträt des Kaisers entstand während seines Aufenthaltes in Aachen

Kaiser Karl der Große lebte von 748-814 nach Christus. Er schuf als erster römisch-deutscher Kaiser ein Reich, das von Mittelitalien bis an die Nordsee und vom iberischen Ebro bis nach Ungarn reichte.

 

Carolus Magnus auch Vater Europas wird er genannt. Ein außergewöhnlicher Herrscher der in NRW von Aachen bis Paderborn Großes hinterließ. 

 

Von körperlicher Gestalt überragte er seine Mitmenschen mit einer Größe von gut 1,90 Metern um ein Vielfaches. Geboren als Sohn Pippins des II. von königlichem Geblüt, sollte er mit seinem Bruder Karlmann die Geschicke des Reiches gemeinsam lenken, was dessen unerwartet früher Tod 755 verhinderte. So wurde Karl zum alleinigen Herrscher.

 

Viermal war er verheiratet und hatte unzählige Konkubinen von denen mindestens drei namentlich bekannt sind, da er mit diesen außereheliche Kinder zeugte.

 

Über die erste Ehefrau, Himiltrud, ist so gut wie nichts bekannt, sie schenkte Karl einen ersten Sohn, Pippin, der recht jung im Jahre 811 inhaftiert wurde und in der Abtei Prüm verstarb.

 

Die zweite Ehefrau suchte seine Mutter für ihn aus. Die Trauung mit der Tochter des Langobardenkönigs Desiderius erfolgte aus politischen Gründen mit dem Zwecke das Frankenreich und das Langobardenreich zu vereinen. Da es keine Liebeshochzeit war, kam es wohl zwangsläufig dazu, dass Karl sie nach kurzer Ehezeit 771 verstieß. Diese Ehe blieb kinderlos.

 

Stattdessen heiratete er schon kurz darauf die höchstens 14-jährige Hildegard, die er sehr geliebt haben muss. Zumindest war das körperliche Verhältnis sehr intensiv, denn sie gebar dem Kaiser in 12 Ehejahren 9 Kinder: vier Jungen und 5 Mädchen. Kurz nach der Geburt der letzten Tochter verstarb sie im Jahre 783 mit gerade einmal 26 Jahren. Sie war es auch, die ihn auf seinen Kriegszügen selbst hochschwanger noch begleitete.

Nach kurzer Trauerzeit heiratete er ein viertes Mal, Fastrada, zu der er auch eine liebevolle Beziehung hatte. Sie schenkte dem Kaiser zwei Töchter, von denen eine nach kurzer Zeit verstarb und die zweite,Theodora,  zur Äbtissin der Abtei in Münsterschwarzach am Main wurde und dort im Jahre 853 verstarb. 

Auch Fastrada erkrankte im Jahre 794 und verstarb unerwartet im gleichen Jahr, als Theodora gerade 7 Jahre alt war.

 

Eine 5. Verbindung ging Karl mit Luitgard ein, eine Hochzeit ist nicht verbrieft, jedoch ist ihre Machtstellung von 795-800 in der Geschichtsschreibung Einhards mehrfach genannt. Doch auch diese Liebe war nicht von Dauer, denn Luitgard verstarb kinderlos und plötzlich im Jahre 800 während eines Aufenthaltes in Tours, Frankreich, wo sie in der Kirche des heiligen St. Martin beigesetzt wurde. 

 

Es ist doch eine einmalige Geschichte: Den Zenit seines Lebens hatte er mit 52 Jahren schon überschritten: als 12-facher Vater und dreifacher Witwer macht er sich im Jahre 800 auf den Weg nach Rom um dort am Weihnachtstag die Kaiserkrönung zu erleben, den Höhepunkt seiner persönlichen Wertschätzung!

Völlig faszinierend ist außerdem die Tatsache, dass dieser einmalige, einflussreiche Kaiser bis in seine 40er Lebensjahre nicht schreiben konnte. Kaiserliche Urkunden wurden mit dem sogenannten 'goldenen Strich' gesiegelt, erst danach kam es zum 'Karolus-Zeichen', auf welches wir in Aachen immer wieder treffen.

 

Seine Regentschaft für ein geeintes Europa wirkt bis in unsere Gegenwart nach, denn auch heute wird alljährlich der Karlspreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich für Europa in besonderer Weise verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer ebenso wie seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II., seine Majestät König Juan Carlos von Spanien und US-Präsident Bill Clinton. Die diesjährige Verleihung des Karlspreises erfolgt an den Präsidenten der Französischen Republik Emmanuel Macron.

 

Ort der Feierlichkeiten und Preisverleihung ist das Aachener Rathaus, welches  aus dem Ursprungsbau der karolingischen Palastaula hervorging und heute der Stolz des Aachener Bürgertums ist.

Im Krönungssaal des Rathauses, welches wir gegen Eintritt besichtigen können, fanden im Mittelalter durch die Jahrhunderte hinweg die Krönungsfeierlichkeiten der neuen Majestäten statt.


Dommodell für Blinde und Sehbehinderte
Dommodell für Blinde und Sehbehinderte

Wellness-Programm, Kulinarisches und Sightseeing


Eingang zur Domschatzkammer
Eingang zur Domschatzkammer

Puh, das war jetzt zum Einstieg eine ganze Menge Geschichte. Aber nur so wird man dem Stellenwert dieses Ortes und der Geschehnisse auch gerecht. Ich hoffe, es war recht interessant und aufschlussreich, für mich hat die gesamte Story das Zeug zum Block-Buster. 

 

Klar, Dom, Rathaus und Schatzkammer sollte man in jedem Fall gesehen haben. Eine wirklich gut gemachter Stadtrundgang der alle wesentlichen Sehenswürdigkeiten mitnimmt beginnt auf dem Katschhof -dem Platz zwischen Dom und Rathaus am Centre Charlemagne: Aachens Neues Stadtmuseum mit Informationen von der Jungsteinzeit bis heute. Sehenswert! 

 

Ebenfalls erwähenswert das Couven-Museum, welches uns  das bürgerliche Leben des 18. Jahrhunderts am Beispiel eines eingerichteten Wohnhauses dieser Zeit verdeutlicht.

 

Das Zeitungsmuseum ist das einzige seiner Art auf der Welt und wir lernen etwas über die Geschichte der Medien und Medienfreiheit, Medien-Manipulation und Medientechnologie.

 

Marschiertor und Ponttor sind eindrucksvolle Reste der ehemaligen Stadtbefestigung und eine Visite wert.

 

Am Elisenbrunnen, direkt gegenüber dem Theater bekommen wir Einblicke in die klassizistische Architektur der Stadt.

 

Im Alt Aachener Kaffeehaus besuchen wir eine Institution für Aachener Schleckermäulchen und genießen Patisserie, belgische Schokolade und Pralinen sowie echte Aachener Printen nach der Originalrezeptur. Das Kaffeehaus besteht eigentlich aus drei Häusern und ist im Inneren mit barocker Gemütlichkeit ausgestattet. Alte Bilder und Printenbackformen zieren die Wände seit 1765.

 

Im Alt Aachener Brauhaus, früher DEGRAA geht es herzhaft rustikal zu. Im Brauhaus typischer Einrichtung genießen wir den kühlen Gerstensaft mit Schlachtplatte, Haxe oder Grünkohl mit Mettwurst.

Leider ist die Aachener Hausbrauerei DEGRAA nicht mehr hier ansässig. Im DEGRAA-Ausschank hieß es früher werbewirksam: " Opa wurde hundertjährig, stets trank er DEGRAA-obergärig", worauf die Aachener zu frotzeln wussten: "Oma wurde 110 - hatte DEGRAA nie gesehen."

Ich komme immer wieder gerne hierher, sind doch mit diesem Brauhaus auch Jugenderinnerungen aus der Studentenzeit meiner beider Schwestern mit diesem Haus verknüpft. Natürlich gibt es auch weiterhin hier eine Hausmarke und das Ambiente ist noch genau wie damals. Einfach urgemütlich.

 

Urgemütlich ist auch Aachens älteste Gaststätte, der Postwagen, der sich an der Ostseite des Rathauses befindet und von außen fast wie eine alte Kutsche aussieht. Ein Besuch lohnt sich auch hier.

 

Gesundheit und Wellness, werden in Aachen schon immer große Bedeutung geschenkt und so kann es nicht verwundern, dass es gleich mehrere Bäder und Thermalbäder in der Stadt gibt. Zwei möchte ich besonders hervorheben: Die Elisabethhalle, ein Jugendstilbau aus der Kaiserzeit, in der es Bäder getrennt nach Frauen und Männern gab. Frisch restauriert ist dieses Bad eines der wenigen Jugendstilbäder der Bundesrepublik, in welchem man heute noch baden kann.

Zum Zweiten ist da die ganzjährig geöffnete Carolus Therme mit mediterranem Restaurant. Hier werden alle erdenklichen Sauna Aufgüsse, Massagen und  Ruhezonen drinnen wie draußen angeboten. 

 

Die Tourist-Information findet Ihr am Elisenbrunnen  und Aachens höchstes Restaurant befindet sich auf dem Lousberg. Die Räume des Drehturmes, kann man auch für Veranstaltungen wie Hochzeiten und sonstige Feierlichkeiten anmieten. Der hauseigene Caterer Mundart sorgt für das leibliche Wohl der Gäste. Einen exklusiven Brunch ab 29,90 Euro pro Person kann man hier erleben, speziell für Langschläfer.

Fazit dieser Städtetour:

Da ich mit Wohnmobil unterwegs bin, geht mein erstes dickes Lob an die Stellplatzbetreiber dieses tollen Stellplatzes. 46 großflächige Parzellen mit Stromanschluss, Wasserversorgung und Entsorgung, ein Waschhaus mit getrennten Männer- und Frauen Sanitärbereichen inklusive Warmwasserduschen ohne Aufpreis. Ein gemauerter Grillkamin und eine Grillhütte für geselliges Beisammensein. Davon kann sich  manche Stadt in Deutschland mal eine sprichwörtliche Scheibe abschneiden. Ruhig und doch zentral gelegen. 

Das Kurviertel Burscheidt mit den heißen Quellen ist einen Besuch wert und von dort geht es dann in die Stadt. Die "Königliche Kirche der heiligen Maria zu Aachen" hatte als Wallfahrtsort die gleiche Bedeutung wie Jerusalem, Rom oder Santiago. Das merkt man auch heute. 

 

Adolf Hitler war nie in Aachen und hat Kaiser Karl nicht für seinen Herrschaftsanspruch mißbrauchen können. Wahrscheinlich hatte er zu viel Respekt vor der Geschichte. Die Heiligtumsfahrt 1937, welche in seine Regierungszeit fiel, verzeichnete jedenfalls einen Besucherrekord von mehr als einer Millionen Pilger, die sich hier zum stillen Protest versammelten, was in den  Medien nicht erwähnt wurde.  Trotzdem blieb die Stadt von den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges nicht verschont, sie wurde zu 2/3 völlig zerstört und nach dem Kriege so wieder aufgebaut, dass ihr Charme erhalten blieb - ein Verdienst der Bürger dieser Stadt.

 

Ich hoffe ich habe mit meinem ersten Blogbericht und meiner ersten Tour 2018 Euch ein wenig unterhalten können und neugierig auf eine Stadt gemacht, in der sich französischer Esprit, niederländische Deftigkeit und rheinische Fröhlichkeit vortrefflich ergänzen.

Ich wünsche Euch viel Spaß mit den neuen Touren in 2018 und freue mich sehr über Eure Rückmeldungen. 

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