Düsseldorf: Auf anderen Wegen.

Von Barbarossa zu Maria bis nach Portugal

Ein Reiseblog über NRW und Düsseldorf kommt nicht drin vor? Das wird der Sache nicht gerecht. Wenn so mancher Besucher jetzt schon denkt: "Kenne ich alles schon" will ich dem auch nicht widersprechen. Alleine, die Art und Weise wie ist vielleicht für Euch neu. Ich habe mir im Vorfeld dieses Blogs überlegt, was könnte ich anders machen, und dann habe ich mich einfach auf mein Bauchgefühl und meine bisherigen Recherchen verlassen. Das Ergebnis? Ich hatte einen wunderbaren Tag - und den wünsche ich Euch auch!


Zwei echte Düsseldorfer Wahrzeichen: Der Schloßturm und der verdrehte Kirchturm von St. Lambertus
Zwei echte Düsseldorfer Wahrzeichen: Der Schloßturm und der verdrehte Kirchturm von St. Lambertus

Anfahrt

Los geht's heute am Barbarossaplatz in Düsseldorf Oberkassel. Wir gehen zu Fuss, und beim Eintauchen in die Altstadt ist dies auch "Führerscheinfreundlicher".  Vom Düsseldorfer Hauptbahnhof fahren diverse U-Bahnen hierhin U 76, U 77, U 75 nur um einige zu nennen.

 

Wer mit dem Auto kommt parkt am günstigsten im Parkhaus Barbarossaplatz: geöffnet 24/7,  Stunde 2,00 €, max. pro Tag 19,00 €. Zurück zum Ausgangspunkt kommen wir alle 5 Minuten mit der U-Bahn, denn dies ist eine Strecke von A nach B -  oder zu Fuß auf gleichem Weg, denn das ist nicht weniger spannend für uns Photographen.

Nützliche Weblinks

Nützliche Weblinks hierzu:

Parkhaus: www.parkinglist.de/parkplatz/Düsseldorf/Parkhaus-Barbarossaplatz-Duesseldorf-2374 

VRR-Verbindungen: www.vrr.de/de/fahrten/

*VRR steht für Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und meint "Bus und Bahn"

 

Wohnmobilstellplatz in optimaler Lage:

www.promobil.de/stellplatz/Parkplatz-RheinterrasseTonhalle-1025.html



Düsseldorf mal von der anderen Seite kennen lernen?!

Düsseldorf hat so viel mehr zu bieten als die längste Theke der Welt, Fortuna, DEG und Altbier. Wir stehen auf dem Barbarossaplatz und machen uns erstmal bewußt, wie schön es ist heute frei zu haben. Ein neuer Urlaubstag vom Alltag.

 

Sogleich ziehen der Brunnen und die Kirche St. Antonius unsere Blicke auf sich - und dort gehen wir als erstes hinein (gerne mal den weblink hier klicken). Sieht sie nicht aus als wäre sie schon Jahrhunderte alt? Weit gefehlt, denn St. Antonius ist ein Bau der Jahrhundertwende im Neo-Romanischen Stil und wurde erst 1905 geweiht!  Vor Fertigstellung der Brücke war Oberkassel noch ein kleines Dorf, das in kurzer Zeit rasant zu wachsen begann und deswegen auch für die neue Kirchengemeinde ein adäquates Gotteshaus benötigte. Beim Betreten der Kirche empfängt einen ein herrlich wunderbar, farbenfroh ausgemalter Innenraum. Das hätte ich so nicht erwartet. 

 

Wieder raus und dann Richtung Brücke gehen wir los und folgen der schnurgeraden Luegallee in Richtung Rhein. Wer,  wie ich am frühen Morgen unterwegs ist, bekommt sogleich Lust hier oder dort in eines der schönen Cafés, Bistros, Weinbars oder Restaurants hineinzugehen und vielleicht erstmal einen leckeren Kaffee zu trinken oder gar zu brunchen. Warum nicht? Auch die Blumenläden wehen uns einen  herrlichen Duft um die Nase und so verfallen wir bis zur Brücke ins Bummeln - einfach treiben lassen. Hier in Oberkassel ist es ein Hauch mondän und doch nicht so quirlig und aufdringlich wie in der Altstadt. Die Herrschaften haben Geld, aber man spricht nicht darüber. Das erklärt zumindest, warum sich die Geschäfte des Einzelhandels hier so gut halten. Dies zeigt sich auch, wenn wir, bevor wir die Brücke betreten "unten" auf dem Kaiser-Wilhelm -Ring (ich würde sie vielleicht in Millionen-Allee umbenennen, kleiner Scherz) ein Stück entlang laufen. Wohl kaum findet man eine Immobilie hier, die, wenn sie denn zu kaufen wäre, für unter einer Millionen Euro den Besitzer wechseln würde - klar: Rheinblick und Altstadt gegenüber, wer möchte hier nicht gerne in der ersten Reihe wohnen? Für uns ist zumindest der Ausblick kostenlos!

Da eine solche Immobilie für mich eher nicht in Frage kommt, interessiert mich  mehr die Architektur:  zum Teil mit Elementen des Jugendstils aus der Jahrhundertwende.

 

Zurück auf der Brücke heißt es : Kamera klar? Wir schlendern hinüber auf die andere Rheinseite und bekommen ein Panorama nach dem anderen: Düsseldorfer Skyline, Fernsehturm alleine, oder zwischen den Brückenpylonen, etc.etc. Mit der Bahn oder mit dem Auto fliegt es alles so schnell an einem vorbei, jetzt zu Fuss weiß ich: heute bin ich nicht zum letzten Mal hier gewesen.



Von der Brücke könne wir vor Erreichen des Ufers sehen, wie uns der Weg entlang der Platanenallee rechts weiter in die Stadt führen wird. Vorher gehen wir jedoch unter der Brücke links und dann hinauf zur Düsseldorfer Tonhalle, die allererste Spitzenadresse in  Düsseldorf für Konzerte und Galas der besonderen Art. Hier haben sich schon so manche Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Staatsoberhäupter, Könige und Größen des Showbusiness die "Klinke in die Hand gegeben".

 

Mein Tipp für die späteren Nachmittags- oder Abendstunden ist die Tonhallenterrasse i.d.R. sommertags bei schönem Wetter ab 17:00-Mitternacht geöffnet.

Wer nun mit dem Wohnmobil gekommen ist wird diese Location unweit des Stellplatzes ganz gewiss nicht verpassen!

 

Direkt hinter der Tonhalle befindet sich der Ehrenhof und das Museum Kunstpalast. Der Kunstinteressierte darf dieses Museum mit seinen aktuellen Wechselausstellungen nicht verpassen! Architektonisch sind wir hier im Jahre 1925 angekommen, Diese Architektur formte einem Baustil , welcher in der Nazidiktatur (1933-1945) höchst populär wurde. Dieses Ensemble von Bauten wurde in den Kriegsjahren nicht zerstört und übt auf mich eine besondere Stimmung aus. 

Das Ensemble am Ehrenhof von NRW-Forum, Robert-Schumann Saal und Museum Kunstpalast bildet seit 1928 ein Zentrum von Kunst und Kultur, welches so einzigartig ist.

 

Wer jetzt mit Kindern unterwegs ist, den kann ich nur ermutigen trotzdem hinein zu gehen, denn man kann sich dort eine kostenlose Detektiv-Mappe aushändigen lassen und als Top-Agent, Spürnase oder Meisterdetektiv durch das Museum pirschen. Cool!

 

Lust auf Cappucino oder Espresso? Dann auf , denn das Ambiente der hauseigenen Kristallbar  kann ich zum Verschnaufen wärmstens empfehlen.

Nach so viel Kunst und Kultur geht es unter der Brücke  entlang der -dem Rheinufertunnel sei Dank- völlig

verkehrsfreien  Platanenallee in Richtung Altstadt.

Auf dem Weg in Richtung Altstadt erreichen wir nach wenigen hundert Metern zur Linken Düsseldorfs erstes Wahrzeichen: die Kirche St. Lambertus.  Hier zählen die Gebeine des Düsseldorfer Stadtpatrons St. Apollinaris zu den Kirchenreliquien ersten Ranges.

 

Wer war das?

Der Legende nach wurde Apollinaris noch von Petrus um das Jahr  75 nach Christus als Bischof eingesetzt und starb einen grausamen Tod nach einem Überfall durch Nichtchristen (Quelle: Wikipedia). Die Gebeine sind erst nach Ravenna und unter Kaiser Friedrich Barbarossa 1164 nach Remagen überführt worden. Somit ist Apollinaris u. a. der Schutzpatron von Ravenna, Remagen und Düsseldorf. Die größte Kirmes am Rhein in Düsseldorf wird an seinem Namenstag gefeiert. 

 


St. Apollinaris

Im Zusammenspiel von weltlicher und kirchlicher Macht  waren Reliquien von höchster Bedeutung. Man stelle sich vor: die meisten Menschen jener Zeit waren des Schreibens und Lesens nicht mächtig und vor allem sehr abergläubisch. Man suchte sein Heil bei den "Heiligen" bei den Schutzpatronen, vor allem deswegen weil nach dem christlichen Glauben unser irdisches Dasein nur die Durchgangstation zum ewigen Leben ist. Dies vorausgesetzt, sind Reliquien natürlich "Beweise" ersten Ranges für das Irdische Dasein solch wichtiger Persönlichkeiten. So ist es bis heute: die Kriegsbeute der Kreuzzüge (Gold, Silber, Geschmeide Gefäße, Stoffe) ist weitestgehend verschollen, die Reliquien aber, die können wir aufgrund ihres Stellenwertes  immer noch besuchen. Die imposantesten Kathedralen, Dome und Klöster würden heute nicht zu besuchen sein, wenn es nicht irgendeinen Bezug zu den "Heiligen" gäbe. Man hat damit Pilger zu den Dombauhütten und Kathedralen gelockt um Spenden zu bekommen für die Errichtung dieser irdischen Bauwerke, die nach dem himmlischen (Jerusalem) strebten. Im Gegenzug für die Spenden erwarteten den Spender der Erlass seiner Sünden und ein Platz im Himmel.

Zurück zu Apollinaris: mit dem Namen macht man heute noch Geschäft; die Apollinarisquelle ( bekannt als "Queen of table waters") in Bad Neuenahr gehört seit 2006 zum amerikanischen Konzern Coca Cola. In 2006 wurde mit 450 Mitarbeitern ein Jahresumsatz von 81.000.000,00 Euro gemacht.

1913 wurden bereits 40.000.000,00 Millionen Flaschen Mineralwasser in alle Welt exportiert.

Die Apollinariskirche in Remagen, am Romantischen Rhein ist ebenfalls einen Ausflug wert und die Apollinaris Schleife ist ein wunderschöner Rundwanderweg der eben dort startet. 


In der Kirche gibt es viel Interessantes zu sehen, ich möchte nur auf drei Dinge hinweisen. Die Türe im Turm wurde geschaffen von Ewald Mataré, dem Lehrer Josef Beuys'  und "entartetem " Bildhauer während der Nazidiktatur. Er schuf auch die Türen im Südportal des Kölner Domes, welche durch Kriegseinwirkungen verloren gingen. Sein  Schaffen reicht weit über Deutschland hinaus: z.B. Portal des Salzburger Doms in Österreich und Portal der Weltfriedenskirche in Hiroshima/Japan.

 

St. Lambertus war Grablege vieler bedeutender Persönlichkeiten des frühen Mittelalters  unter anderem das Grabmal der Gräfin Margarethe v. Berg. (Grablege der Herren von Berg bis ca. 1388, danach im Altenberger Dom, siehe Tour 3)

Das Sakramentshaus (1475-1479) ist das bedeutendste seiner Art am Niederrhein.

Mein persönlicher Favorit ist jedoch die Kreuzigungsgruppe die sich im Inneren  gleich neben dem Eingang befindet, meist unbeleuchtet, fast lebensgroß und sehr plastisch dargestellt. Man findet fast keine Hinweise auf diese Schnitzwerkskunst. Auch Abbildungen werden vermieden. Vielleicht liegt es an der intensiv-realistischen Darstellung der halbnackten Körper von Römern, Maria Magdalena und dem Gekreuzigten. Die Vollstrecker sehen irgendwie unbeholfen und so gar nicht stolz aus. Maria kniet halb nackt, elend vor Schmerz und Trauer vor dem gekreuzigten Leichnam, eine derartige Darstellung habe ich so noch nie in den vielen Kirchen, die ich besuchte,  gesehen. Ich fühlte mich fast peinlich berührt "Zeuge" eines solchen Szenarios  zu sein. Komisch irgendwie.

 

So, schnell noch eine Fürbitte und ein Dankeschön  im Schein einer Kerze formuliert und wieder hinein in das pulsierende Leben der Altstadt, rüber zum Schloßturm, dem einzigen Zeugen des niedergebrannten Stadtschlosses, heute Schiffahrtsmuseum mit nettem Café und 360 Grad Rundblick in der obersten Etage. Hier gibt es italienische Kuchenspezialitäten und Kaffeevariationen.

Weiter durch die Altstadt in Richtung Carlsplatz. Wir gehen zum Markt auf dem Carlsplatz, denn hier kommt "Urlaubsfeeling" auf. Allerlei Waren aus den verschiedensten Ländern und viele Leckereien werden hier von Montags bis Samstags täglich außer Sonntags,  angeboten. 

Es macht einfach Spaß an den Marktständen entlang zu schlendern und die Zeit zu vergessen. Hier können wir viel Geld ausgeben für lukullische Genüsse und uns "First class" oder sollte ich sagen "High End" eindecken, um im Womo  (oder zu Hause) lecker zu kochen. Die "Nice Price"- Variante wird an den verschiedenen Gourmetständen angeboten: lecker essen für unter 10,00 Euro ist hier kein Problem!

 

Als " low- budget" Variante geht eine Flasche Wein, ein Baquette, Weintrauben und Käse einkaufen um dann im Rosengarten zu picknicken. Die Gläser, den Öffner und die Picknickdecke habt Ihr ja bestimmt in den Rucksack gepackt, so wie bei jeder meiner Touren, nicht wahr?

Spaß beiseite, ich verlasse den Carlsplatz nach einem ausgiebigen Rundgang auf der Hohe Straße  und erreiche nach wenigen Metern eine meiner Lieblingsadressen:  Das Cave Portuguesa, Hohe Str. 4, 40213 Düsseldorf. Ich schließe die Türe hinter mir, hoffe noch einen freien Platz zu ergattern und genieße den Ausklang eines schönen Urlaubstages bei einem Glas Wein in Portugal. Soooo genial!

 

 


Fazit

 Wir erleben die Landeshauptstadt aus einem völlig neuen Blickwinkel, Verkehrsbefreit und mit tollen, fotogenen Aussichten erlaufen wir uns barrierefrei die Altstadt. Die Strecke ist ohne Besichtigungen in gut 45 Minuten erledigt. Da es aber so viel zu sehen und erleben gibt werdet Ihr deutlich länger unterwegs sein. Wenn wir heute kein Auto dabei haben, können wir uns ganz entspannt noch die Düsseldorfer Altbierspezialitäten in den unterschiedlichen Brauereien (Füchschen, Ürige etc.) schmecken lassen und dann zum Sonnenuntergang an den Rhein zurückkehren. Einfach toll, diese Tour verdient von mir zu jeder Jahreszeit 5 Sterne!


Zum Abschluss noch einige Eindrücke von meiner Tour

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